Frühstart Wr 29.1 und WR29.2

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Frühstart Wr 29.1 und WR29.2

Beitragvon RolfN » Mo 14. Okt 2019, 14:44

Folgender Fall:

WL erkennt Frühstarter und zieht unmittelbar nach dem Start Flagge "1-Hilfsständer" mit einem Schallsignal.
WL bermerkt einige Sekunden später seinen Fehler, denn er wollte eigentlich Flagge X setzten. Holt also 1.Hilfsständer runter und setzt nun Flagge X (ohne Schallsignal). Der Lauf wird zu Ende gesegelt!

Meine Fragen hierzu:
Müste der WL in diesem Fall den Lauf nicht besser sofort Abbrechen?

Wenn nein, haben die Frühstarter, die später in der Liste mit OCS erscheinen einen Anspruch auf Wiedergutmachung?

Starter die den Lauf abbrechen, anspruch auf Wiedergutmachung, da für sie der Lauf nach 29.2 Allgemeiner Rückruf abgebrochen war?
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Re: Frühstart Wr 29.1 und WR29.2

Beitragvon uli_finckh » Mo 14. Okt 2019, 18:30

In so einem Fall sollte das Wettfahrtkomitee die Wettfahrt abbrechen und neu starten. In Regel 32.1 steht im Abschnitt nach Unterpunkt (d) , dass das Wettfahrtkomitee die Wettfahrt wegen eines Fehlers im Startverfahren abbrechen kann.
Auch wenn das vom Wettfahrtkomitee gegebene Signal (1.Hilfstander mit einem anstelle der notwendigen 2 Schallsignale) nicht korrekt ist, verwirrt es die Segler und ist als unsachgemäße Handlung des Wettfahrtkomitees im Sinn der Wiedergutmachungsregel 62.1(a) zu sehen.
Dies betrifft sowohl diejenigen, die über der Linie waren und OCS gewertet wurden als auch diejenigen, die auf Grund des fehlerhaften Signals das Segeln nach dem Signal abgebrochen oder unterbrochen haben.
Die Behandlung diese Wiedergutmachungsanträge durch das Protestkomitee erfordert natürlich noch mehr Fragen zum Sachverhalt, wie zum Beispiel, ob den Frühstartern ihr Frühstart klar war und für die Wettfahrt-Unterbrecher, was sie durch die Unterbrechung verloren haben.
Mein Rat ist heutzutage entsprechend der Empfehlung von World Sailing, bei Feldern, die deutlich größer als 10 Boote sind mit Flagge "Uniform" gemäß Regel 30.3 zu starten. Dann muss das Wettfahrtkomitee in der letzten Sekunde nur noch zwischen zwei statt drei Alternativen entscheiden: Start gültig (mit eventuellen Verletzern der U-Flaggen-Regel) oder Start ungültig und Signalisieren mit 1.Hilfstander und zwei Schallsignalen. Die 3.Alternative - Flagge X it einem Schallsignal entfällt dann und die Boote starten wesentlich disziplinierter und halten die Lnie frei.
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Re: Frühstart Wr 29.1 und WR29.2

Beitragvon RolfN » Mo 14. Okt 2019, 18:33

Vielen Dank für die rasche Beantwortung.
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Re: Frühstart Wr 29.1 und WR29.2

Beitragvon Helmut » Di 15. Okt 2019, 02:08

Da haben wir sie wieder, die alte Frage, ob ein Flaggensignal ohne das korrekte Schallsignal ein gültiges Signal ist oder nicht. Ausgiebig diskutiert wurde diese Frage bereits im Thread "Fehlendes Schallsignal". Leider ohne eindeutiges Ergebnis.
Was der Wettfahrtleiter hätte tun können (sollen) nachdem er das Missgeschick bemerkt hat, ist klar.
Die Frage die ein Protestkomitee vor einer Entscheidung hätte beantworten müssen, wäre gewesen, War das Flaggensignal "Allgemeiner Rückruf" auch mit nur einem Schallsignal ein gültiges Signal, das die Teilnehmer hätten beachten müssen? (Was der Wettfahrtleiter "eigentlich" wollte, ist unerheblich).
Falls der Allgemeine Rückruf gültig war, war natürlich das nachfolgende Einzelrückrufsignal, bei dem das Schallsignal ja gänzlich fehlte, obsolet).
Leider beinhaltet die Regel 29.2 nur Verpflichtungen für das Wettfahrtkomitee und keine für die Teilnehmer.
Haben Boote die einen Allgemeinen Rückruf nicht beachten und einfach weitersegeln gegen eine Regel verstoßen? Wenn ja, welche?
Helmut
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