WR 75 Meldung

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

WR 75 Meldung

Beitragvon Piri-Piri » Di 25. Sep 2018, 11:32

In der Ausschreibung einer Regatta ist ausschließlich eine Meldung über eines der einschlägigen Onlineportale möglich.
Ein Teilnehmer möchte nun jedoch nicht auf diesem Portal gelistet werden, und tut folgendes: Er schreibt eine Email an den Veranstalter, mit Name, Jahrgang, DSV Nr., Verein, Ranglistenpunkten usw. alles sehr ausführlich und vollständig, mit dem Hinweis, verbindlich melden zu wollen, aber aus Datenschutzgründen es ablehnt seine personengebundenen Daten auf besagtem Portal zu veröffentlichen.
Der Zahlung des Meldegeldes wurde gem. WO 6 fristgerecht nachgekommen ( Meldung in Textform ).

Das Boot wurde mit der Segelnummer in die Liste des Onlineportals gemeldet, jedoch ohne Klarnamen.

Die Verarbeitung aller personengebundenen Angaben ist ausdrücklich für alles erlaubt, vom Aushang vor Ort, für Listen, Proteste, Weiterreichung an KV und DSV usw., jedoch nicht bei dieser kommerziellen Onlineplattform !

Kann/sollte diese Meldung nun abgelehnt werden gem. WR75 ? Alle Daten liegen ja vor...

Oder ist alles ok ? Darf der Segler starten ?
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Re: WR 75 Meldung

Beitragvon uli_finckh » Di 25. Sep 2018, 11:50

Ich glaube, darüber läßt sich prima streiten.
Die Ausschreibung verlangt ein bestimmtes Procedere. Dieses wurde vom Meldenden nicht erfüllt. Dies ist Fakt 1.
Daher kann der Veranstalter die Meldung mit der Begründung ablehnen, dass er die Bedingungen der Ausschreibung nicht erfüllt. Dann kommt Regel 76.1 ins Spiel und das Protestkomitee hat den schwarzen Peter.
Andererseits kann natürlich der Veranstalter die Meldung auch annehmen, bekommt dann aber das Problem, dass er die Daten selbst in die Meldeplattform eingeben muss, da er ansonsten Probleme bei der Auswertung der Ergebnisse bekommt. Es ist meines Erachtens dem Veranstalter nicht zuzumuten, dass er die Ergebnisse ohne das Auswertungsprogramm mit Hand rechnet.
Den einzigen Rat den man hier dem Veranstalter geben kann, ist der dass er wirklich nur die Daten in der Meldung verlangt, die für die Abwicklung notwendig sind und nicht noch sensible Daten, wie etwa Passnummer Konto-Daten.
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Re: WR 75 Meldung

Beitragvon Piri-Piri » Di 25. Sep 2018, 12:08

Die Auswertung sollte hier nicht im Vordergrund stehen, da die Auswertung mit gut bekannter Software nach Segelnummer durchgeklickt wird und ... dort ja auch mit Klarnamen und vollständig mit allen Angaben !

WR 76.1 unterscheidet hier zwischen Veranstalter und Wettfahrtkomitee... dazu... das Wettfahrtkomitee akzeptiert die Meldung uneingeschränkt ! ...und möchte das Boot starten lassen.

Der Veranstalter jedoch beruft sich auf WR 75 und will ablehnen !

Falls das Wettfahrtkomitee dem Segler also vor der ersten Wettfahrt eine Bestätigung seiner qualifizierten Meldung sendet, darf er starten. Richtig ?
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Re: WR 75 Meldung

Beitragvon thorsten » Di 25. Sep 2018, 12:11

Das hört sich so an als sollten sich Wettfahrtkomitee und Veranstalter mal unterhalten und eine gemeinsame Linie erarbeiten.

Sofern das Scoring und das Meldungsmanagement in verschiedenen Programmen/Portalen erledigt werden, sollte hier zumindest in der Praxis kein Problem existieren.
Wenn das Scoring allerdings ebenfalls über das Meldeportal abgewickelt wird, ist das schon komplizierter, siehe Ulis Kommentar.
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Re: WR 75 Meldung

Beitragvon uli_finckh » Di 25. Sep 2018, 12:16

In WR 76.1 steht zwischen Veranstalter und Wettfahrtkomitee ein oder.
Nach WR 90.1 ist der Veranstalter gegenüber dem Wettfahrtkomitee weisungsberechtigt.
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Re: WR 75 Meldung

Beitragvon Piri-Piri » Di 25. Sep 2018, 13:16

...und er Veranstalter einer Deutschen Meisterschaft ist ...

Alle Fakten bis hierhin waren mir bekannt ( nicht allen Lesern.. ), deshalb kommt für mich nun auch Neuland.

Kann ein Boot, dass nicht gemeldet ist ( wurde ja abgelehnt ) eine Wiedergutmachung beantragen ? Steht ja da... aber da wüsste ich auch nicht weiter..., so etwas hatte ich noch nicht.

Defakto würde der Verband das Problem an die Jury delegieren, wenn der Segler einen Antrag auf Wiedergutmachung stellt ( alles davor sachlich und fristgerecht vorausgesetzt lt. WR 76).

Ich hoffe soweit kommt es nicht !!!

Wenn diese nun zu der Entscheidung käme..., wie sollte diese aussehen ?
1. Meldung wird akzeptiert ?
2. Wiedergutmachung... durchschnitt...

Würde die Anhörung noch vor der ersten Wettfahrt stattfinden, oder erst in der ersten Protestfrist ?
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Re: WR 75 Meldung

Beitragvon uli_finckh » Di 25. Sep 2018, 13:27

Die Wiedergutmachungsanhörung muss vor der Veranstaltung stattfinden, sonst macht es keinen Sinn.
Protestfristen sind für Wiedergutmachungsanträge nachrangig (siehe WR 62.2).

Wie sich das alles liest, wird hier ein nicht sehr faires Spiel gespielt, um ideologische Ziele zu verwirklichen.
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Re: WR 75 Meldung

Beitragvon thorsten » Di 25. Sep 2018, 13:31

Wiedergutmachung kann das Boot beantragen und das hearing muss vor der ersten Wettfahrt stattfinden.
Andernfalls ist das Boot gestartet, obwohl nicht gemeldet. Gibt auch ein hearing.

Die Fragestellung für das Schiedsgericht ist, ob die Zurückweisung improper war oder nicht - in dem Fall dürfte das recht einfach zu beantworten sein.

Insgesamt stimme ich Uli zu.
Was immer hier läuft, wenn man eine Veranstaltung ausrichten möchte, sollte man die Vorgaben des Veranstalters (OA) akzeptieren, sonst macht es keinen Sinn.
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Re: WR 75 Meldung

Beitragvon Piri-Piri » Di 25. Sep 2018, 13:42

... den Nagel auf den Kopf getroffen !!!

Ich versuche mir die Situation aus Sicht des Seglers, des Wettfahrtkomitees und der Jury vorzustellen.

Wenn sowas schon vor der ersten Wettfahrt auf den Tisch kommt..., und gegebenenfalls gegen die Entscheidung des Veranstalters gestimmt wird..., nicht auszudenken.

Also die Anhörung vor der ersten Wettfahrt, danke für die Hilfe !
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Re: WR 75 Meldung

Beitragvon stefan ibold » So 30. Sep 2018, 09:57

Moin,

das liest sich, als wenn es bei uns am Meer passiert wäre. Es gibt hier allerdings nur EINEN Teilnehmer, der genau in dieser Art das Leben schwer macht. Hinzu kommt, dass dieser auch auf gar keinen Fall auf irgendwelchen Bildern zu sehen sein will. Ist nen Haufen Arbeit, die immer zuvor (Abends laufen die auf einem großen Bildschirm) auszusortieren :(
Bei uns läuft die Auswertung extern zum Meldeprotal (das andere will eh keiner, da sind die AGB derart bescheiden) und wir geben insofern nur die Segelnummer ein und dann für Steuermann und Vorschoter Abkürzungen.

Sein Argument ist, dass alle Onlinemeldeplattformen in ihren AGB stehen haben, dass Daten weiterverkauft werden (können). Und genau hier setzt er an. In allerletzter Konsequenz kann ich das sogar ein kleines Stück weit nachvollziehen. Wenn er allerdings meint, dass er ansonsten anonym bleibt in der Wellt des WWW, dann irrt er. Aber, ich glaube, er hat nicht einmal einen PC zu hause, geschweige denn ein Smartphone :)

Ich meine, wir sollten das in Bremerhaven nochmals ansprechen und ggf. diskutieren, wie mit solchen Fällen (die sich durchaus mehren können) zukünftig gleichermaßen umgehen.

Grüße
stefan
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