Richtiges Absegeln der Bahn und geringere Strafe als DSQ

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Richtiges Absegeln der Bahn und geringere Strafe als DSQ

Beitragvon Th. Strasser » Mo 27. Aug 2018, 17:43

Hallo liebe MitstreiterInnen,

in Regel 28 wird beschrieben, dass ein Boot beim Absegeln der Bahn jede Bahnmarke auf der vorgeschriebenen Seite lassen muss.
In manchen Revieren werden durch die Segelanweisungen Fahrwasser- oder Untiefentonnen zu Bahnmarken in diesem Sinne erklärt, hauptsächlich, um Booten mit geringem Tiefgang Kurse zu verwehren, die tiefergehenden Booten nicht möglich sind. Dazu werden oft Formulierungen benutzt wie: 'die Tonne XYZ ist seewärts zu passieren'
Es gibt immer wieder Situationen, bei denen dagegen verstoßen wird; später wird dann oft argumentiert, man hätte sich keinen Vorteil verschafft; manchmal trifft das sogar zu.

Meine Frage: wenn die WL sich die Möglichkeit schaffen will, solche Verstöße geringer als DSQ zu bestrafen, also zB durch Zeitstrafen - wie kann man das in den SI sauber formulieren? Man muss ja eine Formulierung finden, die diese bewussten Tonnen nicht zu Bahnmarken macht, ihnen aber trotzdem eine vorgeschriebene Seite zuweist und das dann mit [dp] kennzeichnen.

Unabhängig davon: haltet ihr eine solche Unterscheidung für sinnvoll?

Danke für Eure Antworten.
Th. Strasser
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Re: Richtiges Absegeln der Bahn und geringere Strafe als DSQ

Beitragvon uli_finckh » Mo 27. Aug 2018, 18:11

Hallo Thomas,
In dem Moment, wo ein Gegenstand, wie eine Fahrwasser- oder Untiefenboje, an einer vorgeschriebenen Seite passiert (oder gerundet) werden muss, ist er eine Bahnmarke (siehe Definition Bahnmarke!).
Jedes passieren an der falschen Seite ist ein Verstoß gegen WR 28.2.
Das Passieren einer Bahnmarke ist kein Kavaliersdelikt und eine Zeit- oder Prozentstrafe oder eine Ermessensstrafe durch das Schiedsgericht dafür in den Segelanweisungen vorzusehen, entspricht nicht dem Geist der Regeln.
Die Frage, ob ein Verstoß gegen Regel 28 einen Vorteil gebracht hat oder nicht, darf nicht davon ablenken, dass ein solcher Vertoß nach WR 64.1 zu einer Disqualifikation führt. Wenn dieser Verstoß mit Absicht gemacht wurde um sich einen Vorteil zu verschaffen ist es zusätzlich ein Verstoß gegen WR 2 und sollte zu einer nicht streichbaren Disqualifikation führen.
Solche Vorschriften bezüglich Fahrwasser- und Untiefenbojen haben ja stets auch einen sicherheitstechnischen Aspekt und deshalb sollte man nicht auf irgendwelche "Weichmacher-Argumente" hereinfallen.
uli_finckh
 
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Re: Richtiges Absegeln der Bahn und geringere Strafe als DSQ

Beitragvon Th. Strasser » Mo 27. Aug 2018, 18:49

Hallo Uli,

danke für Deine klaren Worte.
Ich sehe das genauso.

Gruß
Thomas
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