Verhalten nach Black Flag

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Verhalten nach Black Flag

Beitragvon Th. Strasser » Do 19. Jul 2018, 19:18

Hallo allerseits, in Regel 30.4 ist festgelegt, dass ein Boot, das sich ein bfd eingefangen hat, an einer neu gestarteten Wettfahrt nicht teilnehmen darf.
Was genau heißt 'nicht teilnehmen'? (der Begriff gehört nicht zu denen, die in den WR definiert sind, oder irre ich mich da?)
- sich nicht im Regattagebiet aufhalten?
- sich nicht in der Nähe der Startlinie aufhalten?
- nicht starten?
- von anderen Booten, die nicht bfd hatten, keinen Raum verlangen? sie nicht taktisch bekämpfen, zB abdecken?
Nehmen wir beispielsweise an, es wird an diesem Tag keinen weiteren Start geben und das Boot muss beim Nach-Hause-Segeln zur Luvtonne hochkreuzen. Muss es warten, bis alle weg sind und es keine 'Gefahr' gibt, jemanden einzuholen?

Wenn ihr das für abwegig haltet - ich habe es beim Start einer Langstreckenregatta erlebt, etwa 3/4 des Feldes hatten BFD, aber es war schöner Segelwind und sie wollten einfach segeln... Der See war aber nicht so groß, dass es nicht zwangsläufig zu Annäherungen kam.

Haltet ihr es für sinnvoll, die Frage in den SI genauer zu regeln? Etwa sinngemäß so wie von den Trainerbooten verlangen, dass sie eine bestimmte Distanz zur Startlinie oder zu den Bahnmarken einhalten müssen?

Bin gespannt auf Eure Meinungen
Th. Strasser
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Re: Verhalten nach Black Flag

Beitragvon uli_finckh » Do 19. Jul 2018, 20:32

Im Englischen steht in 30.4: "she shall not sail in it" in der Deutschen Übersetzung: "Sie dürfen nicht daran teilnehmen" Man könnte es aber auch interpretieren mit "Sie dürfen nicht in der Wettfahrt oder dem Wettfahrtgebiet herumsegeln". Die Abgrenzung des Wettfahrtgebiets kann sicher auch unterschiedlich aufgefasst werden. Ist es der Bereich wo sich Regattateilnehmer sich wettsegelnd aufhalten könnten oder der wo sie sich gerade wettsegelnd aufhalten. Ich halte den zweiten Teil als zielführender.
Klar ist, dass Sie nicht mitstarten und den Kurs absegeln dürfen.
Klar ist auch, dass sie Boote in der Wettfahrt nicht behindern dürfen (WR 24.1).
Durch WR 24.1 hat jedes an der Wettfahrt beteiligte Boot, die Möglichkeit, gegen ein Boot, das einen stört zu protestieren. Das Ergebnis eines solchen Protestes kann dann leicht zu einem DNE führen, wenn das Boot sich in einem Bereich aufhält, in dem sich gerade Regattateilnhmer wettsegelnd aufhalten. Denn dann ist es nicht nur ein Verstoß gegen WR 24.1, der auf ein bereits BFD gewertetes Boot für diese Wettfahrt zu keiner härteren Bestrafung führt, sondern führt wegen des Verstoßes gegen WR 30.4 zu einem DNE.
Eine zusätzliche Formulierung in den Segelanweisungen, wie Th.Strasser in seinem letzten Satz anfragt, halte ich nicht für dienlich. Ich begründe dies vorallem damit, dass man versuchen sollte, Segelanweisungen schlank zu halten. Alle Bemühungen, mögliche nicht gewünschte Sonderfälle durch weitere Formulierungen in den Segelanweisungen auszuschließen, führt letztendlich zu einer Aufblähung der Segelanweisungen und dazu, dass die wesentlichen Dinge wegen der Fülle und der oft sperrigen Formulierungen auch nicht gelesen werden.
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