Wertung

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Wertung

Beitragvon macbonn » Mo 21. Aug 2017, 17:10

Bei einer Regatta an der Ostsee frischte der Wind pünktlich zur letzten Wettfahrt gewaltig auf. 2 von 12 Teams waren überfordert und brachen ab, eines war an der an der Grenze segelte tapfer, lag aber deutlich hinten, als eine Gewitterfront schnell nahte. Alle anderen waren auf dem Weg zum Land oder schon am Strand. Wir waren überzeugt, dass die junge Mannschaft zwar das Ziel im Limit erreichen, dann aber im bösem Wetter stecken würde. Aus Sicherheitsgründen habe wir die Crew, die zu Ende segeln wollte gebeten, auf den letzten Bahnschenkel zu verzichten und an Land zu fahren, mit der Zusage, sie zu werten als seien sie ins Ziel gefahren. Gesagt, getan. Die Mädels waren gerade sicher am Strand als es gewaltig los polterte und wir froh waren, keine Segler mehr auf dem Wasser zu haben. Wir haben sie dann auch tatsächlich gewertet, als wären sie ins Ziel gefahren, was sie insgesamt vom letzten auf den drittletzten Platz brachte. Alle waren zufrieden mit diesem pragmatischen Ansatz, bis auf die Vorletzten.
Natürlich hätten wir die Wettfahrt insgesamt abbrechen können, das hätte aber zu ungerechten Verwerfungen an der Spitze geführt und die Sieger der letzten Wettfahrt deutlich benachteiligt, die ihre bestes Rennen gefahren sind und sich den 3. Platz gesichert haben. Wir fanden es so ganz gerecht, die Crew besser zu werten, die durchgehalten hat. Nur im Regelwerk finde ich dazu nichts. Hätte wir formal vielleicht DNF werten und Wiedergutmachung beantragen sollen weil sie auf Anordnung der WL reingefahren sind ?
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Re: Wertung

Beitragvon uli_finckh » Mo 21. Aug 2017, 17:31

Das, was ihr da gemacht habt, ist menschlich verständlich, aber nicht durch die Regeln abgeckt. Ein Teilnehmer kann innerhalb des dafür vorgesehenen Zeitlimits Wiedergutmachung beantragen.
Möglich scheint mir folgendes Vorgehen:
Ihr fordert den Teilnehmer auf, aus Sicherheitsgründen aufzugeben und sofort in den Hafen zu fahren um nicht die Wettfahrt abbrechen zu müssen und beantragt beim Schiedsgericht für Euer Verhalten Wiedergutmachung für diesen "Fehler". Das Protestkomitee kann dann dem Segler Wiedergutmachung gewähren und dabei alle Aspekte abwägen.
Die andere Alternative ist es, die Wettfahrt abzubrechen. Abbruch bedeutet aber auf Grund der Definition "Abbruch" in den WR, dass die Wettfahrt für alle ungültig is, auch für die, die bereitsim Ziel sind.
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Re: Wertung

Beitragvon macbonn » Mo 21. Aug 2017, 17:40

Danke, beim nächsten mal weiß ich Bescheid und wir fahren die "Wiedergutmachungsschiene". Das hier wird wohl auch keine Folgen haben , da die Jungs am Ende einsichtig waren.
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Re: Wertung

Beitragvon Helmut » Do 7. Sep 2017, 00:45

Meiner Meinung nach dürfte ein Antrag auf Wiedergutmachung daran scheitern, dass die Wertung in der Wettfahrtsere durch die behauptete "unsachgemäße Handlung" des Wettfahrtkomitees ja nicht ERHEBLICH verschlechtert worden ist.
( Regel 62.1). Die "Wiedergutmachungs-Schiene" dürfte damit nicht infrage kommen.
Bleibt nur der Weg, das Boot als RET zu werten. Das wäre ja auch korrekt, denn nach Regel 4 kann nur das Boot selbst entscheiden, die Wettfahrt fortzusetzen oder auch nicht. Und es hat entschieden. Zwar erst nach einem Hinweis durch das Wettfahrtkomitee, aber es hat selbst entschieden aufzu-geben. (Möglicherweise würde die Wertung als Aufgeber in dieser Wettfahrt an der Endplazierung nicht mal was änder).
Der Einwand der anderen Segler gegen die Fiktion eines Zieldurchganges erfolgte vollkommen zurecht, denn es ist ja noch lange nicht gesagt, dass das Boot innerhalb des Zeitlimits das Ziel tatsächlich erreicht hätte oder nicht aus anderen Gründen hätte aufgeben müssen.

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