Position des Zielschiffes bei Bahnabkürzung an der Luvtonne

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Position des Zielschiffes bei Bahnabkürzung an der Luvtonne

Beitragvon Hugo123 » Di 14. Jun 2016, 16:02

Hallo, folgender Fall bei einer up-and-down Wettfahrt mit J70 Booten: Der WFL verlässt bei nachlassendem Wind das Start/Zielschiff und fährt mit einem Motorboot mit gesetzter RC Flagge zur Luvtonne. Dort positioniert er sich rechts der Luvtonne in einem Abstand von ca. 40 Metern in einem Winkel von 90 Grad zum Wind und wartet mit der Entscheidung über Abbruch oder Bahnabkürzung. Als sich die führenden Boote auf ca. 30 Meter angenähert haben signalisiert der WFL Bahnabkürzung (Flagge S, 2 Schallsignale). Das Motorboot ist zu diesem Zeitpunkt um ca. 10 Grad ins Lee abgetrieben, ab diesem Zeitpunkt wird die Position bis zum Ende des Zieldurchganges gehalten. Inzwischen hat sich auch der nachlassende Wind um ca. 10 Grad nach links gedreht, so dass der Winkel zwischen der Linie Luvtonne/Zielschiff und Wind jetzt ca. 110 Grad beträgt. Die führenden Boote liegen fast gleich auf und das näher dem Zielschiff liegende Boot überquert um wenige cm früher die Ziellinie als das Boot näher der Luvtonne. Das näher der Luvtonne liegende Boot hätte ohne Bahnabkürzung auf jeden Fall früher die Tonne gerundet und stellt einen Antrag auf Wiedergutmachung wegen eines Fehlers der WFL. Das Boot zieht später den Antrag wegen einem Formfehler zurück, hätte es ansonsten Anspruch auf Wiedergutmachung?
Hugo123
 

Re: Position des Zielschiffes bei Bahnabkürzung an der Luvto

Beitragvon W. Gohl » Mi 15. Jun 2016, 16:25

Worin soll denn die unsachgemäße Handlung oder Unterlassung der WL liegen?
So wie der Fall geschildert wurde, hat der WL korrekt gehandelt, möglicherweise hätte er etwas früher, als nur 30m entfernt von den Booten die Abkürzung signalisieren können, aber gleichwohl war seine Signalisierung regelkonform. Es ist unerheblich, dass ohne Bahnabkürzung eines der Boote die Luvmarke als erstes Boot gerundet hätte, denn diese Rundung heißt noch lange nicht, dass es ohne Abkürzung später als erstes Boot durchs Ziel gegangen wäre.
Willii Gohl
W. Gohl
 

Re: Position des Zielschiffes bei Bahnabkürzung an der Luvto

Beitragvon Helmut » Do 16. Jun 2016, 17:51

Um solchen Unmut gar nicht erst aufkommen zu lassen, empfehlen wir unseren Wettfahrtleitern bei einer Bahnabkürzung nach 32.2(a) das Boot mit der Flagge S so zu positionieren, dass
1. die Boote nahe der Bahnmarke bevorzugt sind (also die zu segelnde Strecke zum Boot etwas weiter ist als zur Bahnmarke).
2. Boote die die Bahnmarke normal runden automatisch gemäß Definition Zieldurchgang durchs Ziel segeln (also Boot "rechts" von der Bahnmarke bei der Bahn "linksrum")).
Die Windrichtung ist bei der Zielauslegung nicht relevant, auch bei Bahnabkürzung nicht. Die Ziellinine sollte vielmehr ungefähr quer zum letzen Bahnschenkel liegen und niemals in Linie mit ihm.
Helmut
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