Luvtonne (Boje 1)

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Luvtonne (Boje 1)

Beitragvon miho » Mo 2. Nov 2015, 10:56

Guten Tag,
folgender Fall:
Bei einem Up-Down-Kurs von ca. 20 Booten ist das Feld weit auseinander gezogen. Das Start/ Zielschiff befindet sich i.d. Mitte des Kurses. Die ersten zehn Schiffe befindenden sich schon auf der Zielkreuz, da verhakelt sich der Vor-vor-vor-Letzte in der Leine von Tonne 1, bekommt sie nicht los und verzieht dadurch die Boje auf eine Position, welche beim Dreieckskurs die Tonne 2 wäre.
Wie wäre es richtig, in einem solchen Fall zu verfahren? Die WF nach dem Erkennen der Situation abbrechen? Oder abwarten, was passiert? Z.B. ein Protest gegen die WL (zu lange Leine), um im Anschluß diese WF zu annulieren?
Nur zur Info: da diese Regatta ein wenig volkssportlichen Charakter hatte, ging alles glimpflich aus, d.h. Tonne 1 wurde an der neuen Position gerundet und das Rennen wurde auch gewertet. Proteste gab es keine.
Mich interessiert aber, wie wäre das richtige Prozedere in einem "scharfen" Rennen.
Schönen Tag noch. miho
miho
 

Re: Luvtonne (Boje 1)

Beitragvon uli_finckh » Mo 2. Nov 2015, 11:26

Ein Antrag auf Wiedergutmachung von Seiten der Wettfahrtleitung oder von Seiten eines Bootes muss sich nach Regel 62.1 auf eine wesentliche Verschlechterung der Wertung eines oder meherer Boote begründen, die verkürzt ausgedrückt verursacht wurden durch entweder: a) Fehler der Wettfahrtleitung, b) eine die Geschwindigeit reduzierende Beschädigung oder Verletzung durch ein eine Regel verletzendes Boot, c) Hilfeleistung, d) unsportliches Verhalten eines anderen Bootes.
Keiner dieser 4 Punkte trifft hier zu. Der Wettfahrtleitung eine zu lange Leine zur Last zu legen, nachdem ja alle Boote zum Teil mehrfach diese Bahnmarke korrekt gerundet haben, ist wohl falsch. Auch das unfreiwillige Mitnehmen der Bahnmarke ist nicht als eigentlich unsportliches Verhalten zu werten.
Die Wettfahrtleitung kann nach Regel 32.1(d) natürlich die Wettfahrt abbbrechen. Dies wäre in meinen Augen aber nur dann angebracht, wenn diese Bahnmarke nochmals von allen Booten gerundet werden muss. In so einem Fall wäre es aber von Seiten der Wettfahrtleitung besser, sofort eine Ersatzbahnmarke oder ein Schlauchboot mit Signalflagge "M" an die ursprüngliche Position zu setzen und die verzogene Bahnmarke zu entfernen. Da in diesem Fall nur die letzten 3, die ja das Maleur vor sich sehen, der verzogenen Bahnmarke nachsegeln müssen, sehe ich keinen Handlungsbedarf für eine Änderung der Wertung. Mit manchen kleinen Unglücken muss man ja auch leben können und hat dann auch etwas um an der Theke zu erzählen.
uli_finckh
 
Beiträge: 391
Registriert: Mo 29. Aug 2011, 18:32

Re: Luvtonne (Boje 1)

Beitragvon Kristof Doffing » Do 19. Nov 2015, 17:15

Den letzten Satz merke ich mir für die nächste Protestverhandlung. :-)
Kristof Doffing
 


Zurück zu Fragen zur Durchführung und Veranstaltung von Regatten