Protestanmeldung

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Protestanmeldung

Beitragvon gast » Mi 10. Feb 2010, 13:19

"Hallo. In Segelanweisungen findet man immer wieder den Satz \""Das protestierende Boot muss den Protest beim Zielboot anmelden\"" (machmal sogar noch mit dem Zusatz \""mit Angabe des Protestgegners\""). Diese Forderung ist in den WR nicht zu finden. Frage: Ist diese Forderung für die Annahme eines Protestes durch das Schieds-gericht verbindlich? D.h. Ein Protest wird nicht angenommen, wenn der Segler zwar alle Protesterfordernisse erfüllt (Information des Protestgegners, Zeigen der Roten Flagge) aber aus irgendeinem Grund die Anmeldung am Zielboot nicht macht, den Protest aber innerhalb der Protestfrist einreicht? Ich halte diese obige Forderung besonders dann für problematisch, wenn bei grösseren Feldern viele Boote in kurzer Zeit ins Ziel kommen. Was passiert, wenn dann ein am Zielboot angemeldeter Protest nicht notiert und somit vergessen geht? Ich danke schon jetzt für eine Aufklärung. Viele Grüsse hver"
gast
 

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Beitragvon uli » Mi 10. Feb 2010, 19:32

"Das Thema \""Protestanmeldung am Zielschiff\"" hat mehrere Aspekte. Aspekt 1: Bei Regatten, an denen das Schiedsgericht nicht komplett vor Ort ist, hat eine Anmeldung am Zielschiff die sinnvolle Funktion, dass die Wettfahrtleitung die Schiedsrichter rechtzeitig herbeizurufen um einen reibungsfreien Ableuf zu gewährleisten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man die Passage der Protestanmeldung nicht in die SA aufnehmen sollte, wenn das Schiedsgericht vor Ort ist. Aspekt 2: Wenn man bei Jugend- oder Jüngstenregatten die Entscheidung zu Protestieren von der Einflussnahme durch Betreuer unabhängig machen will, ist die verpflichtende Protestanmeldung am Zielschiff dazu ein wirksames Mittel. Aspekt 3: Wenn in den Segelanweisungen eine Pasage steht, die eine solche Protestanmeldung am Zielschiff fordert, dann muss die Organisation am Zielschiff dafür auch vorbereitet und funktionsfähig sein. Aspekt 4: Wenn in den Segelanweisungen nur steht, dass ein Protest am Zielschiff anzumelden ist, dann ist dies allein noch kein Grund für das Schiedsgericht den Protest abzulehnen. Falls man dies als ein Kriterium für die Gültigkeit eines Protestes machen will, muss dabei explizit stehen, dass dadurch Regel 61 geändert wird. (Zum Sprachgebrauch: \""Ändern\"" einer Regel schließt das \""Ergänzen\"" der Regel ein) Aspekt 5: Unabhängig von den unter Aspekt 5 genannten Ausführungen sollte ein Schiedsgericht, bevor es den Protest als ungültig erklärt prüfen, ob ein Versuch gemacht wurde, am Zielschiff anzumelden und ob das Anmelden auch zumutbar war (z.B. bei sehr schlechtem Wetter)."
uli
 

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Beitragvon gast » Mi 10. Feb 2010, 22:01

"Hallo. Danke für die Erklärungen. Für mich sehr wichtig ist der Hinweis auf Änderung von WR 61. Macht man diesen Hinweis bei der Forderung zur Anmeldung nicht, erreicht man bei \""Jüngstenregatten\"" eine selbständige Entscheidung des Seglers, verhindert aber evtl. berechtigte Proteste, die nicht angemeldet wurden, nicht. Viele Grüsse hver"
gast
 

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Beitragvon uli » Mi 10. Feb 2010, 23:01

"» Hallo. » Danke für die Erklärungen.» » Für mich sehr wichtig ist der Hinweis auf Änderung von WR 61. » Macht man diesen Hinweis bei der Forderung zur Anmeldung nicht, erreicht » man bei \""Jüngstenregatten\"" eine selbständige Entscheidung des Seglers, » verhindert aber evtl. berechtigte Proteste, die nicht angemeldet wurden, » nicht. » Viele Grüsse » hver Das haben Sie falsch ausgedrückt: Richtig ist: Fehlt bei der Verpflichtung zum Anmelden der Hinweis auf Änderung von WR 61, dann erreicht man im Regelfall eine selbständige Entscheidung, verhindert aber keine berechtigten Proteste wegen fehlender Anmeldung am Zielschiff. Noch eine Anmerkung: Dient die Anmeldung nur zur rechtzeitigen Benachrichtigung der Schiedsrichter, dann sollte man die Anmeldung nicht als \""Muss\"" sondern als \""sollte\"" definieren."
uli
 

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Beitragvon gast » Do 11. Feb 2010, 09:19

"Danke für den verbesserten Text und für den Hinweis \""muss\"" bzw. \""sollte\"". Viele Grüsse hver"
gast
 

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Beitragvon helmut gebauer » Mi 17. Feb 2010, 20:07

"» Das Thema \""Protestanmeldung am Zielschiff\"" hat mehrere Aspekte. » » Aspekt 1: » Bei Regatten, an denen das Schiedsgericht nicht komplett vor Ort ist, hat » eine Anmeldung am Zielschiff die sinnvolle Funktion, dass die » Wettfahrtleitung die Schiedsrichter rechtzeitig herbeizurufen um einen » reibungsfreien Ableuf zu gewährleisten. » Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man die Passage der Protestanmeldung » nicht in die SA aufnehmen sollte, wenn das Schiedsgericht vor Ort ist. » Wenn nur wegen des Aspektes 1 die Protestanmeldung vorgesehen wird, dann ist es besser die unverzügliche Anmeldung bei der Wettfahrtleitung insgesamt(also auch bei irgend einem der Funktionsboote) oder dem Regattabüro (Tel.-Nr.angeben)zu verlangen. Dann müssen auch Boote, die nicht (Aufgeber) oder nicht mehr (Zeitlimit) ins Ziel kommen anmelden. Denn sonst könnte gelten: Kein Zieldurchgamg = keine Anmeldung. Ausserdem sollte die Anmeldepflicht auch bei Anträgen auf Wiedergutmachung gelten, denn hier besteht dasselbe Organisationsproblem. Helmut Gebauer"
helmut gebauer
 


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