Jury aus gleichem Verein

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Jury aus gleichem Verein

Beitragvon gast » Di 12. Jan 2010, 16:28

Hallo, ich habe mal gehört, das nach Möglichkeit die Jury nicht aus dem gleichen Verein sein sollte wie der Ausrichter. Stimmt das, wenn ja, wo finde ich solcherlei Informationen ? Gruß Frank
gast
 

Jury aus gleichem Verein

Beitragvon Hubert K. » Mi 13. Jan 2010, 10:09

"Hallo Frank, wo liegt das Problem bei einer Jury aus dem gleichen Verein? Bei Clubveranstaltungen sollte das keine Probleme machen. Es gilt ja auch zb die R63.4 \""Interessierte Partei\"" in einer Verhandlung zu beachten. Bei hochrangigeren Regatten gibt es eigene Richtlinien vom Nationalen Verband bzw. von der ISAF. (R91) Gruß Hubert"
Hubert K.
 

Jury aus gleichem Verein

Beitragvon uli » Mi 13. Jan 2010, 12:05

Es ist zu unterscheiden zwischen Jury und Schiedsgericht. Bei internationalen Jurys und bei Schiedsgerichten von Deutschen Meisterschaften ist die Zusammensetzung klar festgelegt. Internationale Jurys Anhang N Deutsche Meisterschaften WO 14.2 Bei Schiedgerichten gibt es nur die WO 8.1, die besagt, dass das Schiedsgericht aus 3 Personen sein muss. Bei Ranglistenregatten muss der Obmann nach RO 4 ab 1.1.1012 zusätzlich eine SR-Lizenz haben. Es können aber alle Schiedsrichter außer bei DM dem durchführenden Verein angehören.
uli
 

Jury aus gleichem Verein

Beitragvon gast » Fr 15. Jan 2010, 12:30

Aber was ist wenn z.B. ein Protest gegen die Wettfahrtleitung eingereicht wird, ist es dann nicht ungünstig wenn beim Schiedsgericht alle aus dem selben Verein wie der Ausrichter sind ? Gruß tp
gast
 

Jury aus gleichem Verein

Beitragvon uli » Fr 15. Jan 2010, 13:58

Zunächst einmal ein Hinweis auf das Formale: Einen Protest gegen die Wettfahrtleitung sehen die Wettfahrtregeln nicht vor. Es gibt lediglich die Möglichkeit des Antrags auf Wiedergutmachung auf Grund fehlerhafter Handlung oder Unterlassung durch die Wettfahrtleitung nach Regel 62.1(a). Unabhängig vom Formalen ist aber noch folgendes zu bedenken: 1. Im Interessenkonflikt hat ein Schiedsrichter nach Regel 63.4 die Verpflichtung dies kundzutun und aus dem Schiedsgericht auszuscheiden. 2. Für all Entscheidungen von Schiedsgerichten, die keine internationale Jury sind, gibt es (mit einigen fesgeschriebenen Ausnahmen) die Möglichkeit der Berufung. 3. Der finanzielle Aspekt von Regelungen, die ein Schiedsgericht fordern, das nicht aus dem eigenen Verein gestellt werden kann, muss letztendlich von den Seglern über das Meldegeld getragen werden. Trotz all dem oben gesagten sollte jeder Veranstalter sich um ein möglichst unabhängiges, aber vor allem kompetentes Schiedsgericht bemühen. In dieser Richtung sind alle erfahrenen Segler, die die entsprechende Ruhe haben, aufgefordert sich hier zur Verfügung zu stellen und fortzubilden. Auch wenn der Job eines Schiedsrichters einem nicht nur Freunde macht, ist er notwendig für unseren schönen Sport.
uli
 


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