Regel 66, Reopening, Auslegung new evidence

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Regel 66, Reopening, Auslegung new evidence

Beitragvon alexander.oswald » Mo 5. Okt 2009, 10:01

"Hallo zusammen, auf diesem Wege möchte ich mich nach den einschlägigen Meinungen über den Ausdruck \""new evidence\"" in der Regel erkundigen. Insbesondere interessiert mich, in welchem Fall, welche neuen Erkenntnisse akzeptiert, bzw. nicht akzeptiert wurden/werden und in welcher Art und Weise die Mitteilung solcher Erkenntnisse gefordert wird. Mein eigener Fall bezieht sich auf eine offene Euro, bei der nach der Veröffentlichung des Ergebnisses, ca. 15 Minuten später zwei neue Zeugen benannt wurdem. Das Schiedgericht hat abgelehnt, da es seine Entscheidung für richtig erachtet hat. Viele Grüße Alexander Oswald"
alexander.oswald
 

significant new evidence

Beitragvon uli » Mo 5. Okt 2009, 15:26

"» auf diesem Wege möchte ich mich nach den einschlägigen Meinungen über den » Ausdruck \""new evidence\"" in der Regel erkundigen. Insbesondere interessiert » mich, in welchem Fall, welche neuen Erkenntnisse akzeptiert, bzw. nicht » akzeptiert wurden/werden und in welcher Art und Weise die Mitteilung » solcher Erkenntnisse gefordert wird. Mein eigener Fall bezieht sich auf » eine offene Euro, bei der nach der Veröffentlichung des Ergebnisses, ca. 15 » Minuten später zwei neue Zeugen benannt wurdem. Das Schiedgericht hat » abgelehnt, da es seine Entscheidung für richtig erachtet hat. In Regel 66 steht: \""Das Schiedsgericht kann (may) eine Verhandlung wiederaufnehmen, wenn...innerhalb eines vertretbaren Zeitraums wesentliche neue Beweismittel (significant new evidence) verfügbar werden.\"" Es geht also nicht um neue Zeugen sondern um Zeugen oder andere Beweismittel (z.B. Videos etc.), die Tatsachen, die in der durch das Schiedsgericht niedergeschriebenen Tatsachenfeststellung nicht vorkommen oder unklar sind belegen oder erhellen können oder niedergeschriebene Tatsachen wiederlegen. Das Wort \""wesentlich\"" besagt, dass es nur um solche Tatsachen geht, die auch für die Entscheidung von Bedeutung sind und nicht um irgendwelche andere Details. Ein Zeuge, der nur die Zeugenaussage eines bereits gehörten Zeugen wiederholt ist deshalb kein wesentlich neues Beweismittel, sondern höchstens ein neues Beweismittel. Schiedsgerichte sollten sich bei einer Wiederaufnahme folgende Fragen stellen: 1. Warum wurde der Zeuge nicht bereits bei der Protestverhandlung genannt? Da es Aufgabe der Protestparteien ist, sich um ihre Zeugen zu bemühen, sind Zeugen, die auch vorher verfügbar gewesen wären, keine neuen Zeugen, die erst nach Abschluss der Verhandlung verfügbar sind. 2. Steht in dem Wiederaufnahmeantrag klar drin, welche Tatsache aus dem vom Schiedsgericht festgestellten Sachverhalt durch die Zeugenaussage wiederlegt oder neu hinzugefügt oder geklärt werden kann?"
uli
 

significant new evidence

Beitragvon alexander.oswald » Sa 10. Okt 2009, 19:53

Lieber Uli, vielen Dank für Deine Erklärung. Diese haben mich in meinen Ansichten bestätigt und damit auch die Entscheidung unseres Schiedsgerichts, die Verhandlung nicht wieder aufzunehmen. Viele Grüße Alexander
alexander.oswald
 


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