Regel 18

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Regel 18

Beitragvon gast » Mo 25. Mai 2009, 14:52

Nach meiner Einschätzung führt die Einführung des 3-Längen Kreises in kleineren Bootsklassen die praktisch „auf dem Teller drehen“ können zu folgendem Problem wenn in großen Feldern die Leetonne gerundet wird: Keiner möchte nach außen. Alle versuchen teilweise durch extreme Richtungsänderungen (Haken) abzubremsen um hinter dem vorhergehenden Boot die Tonne innen runden zu können. Der Raum für solche Bremsmanöver bzw. Umwege scheint mir nun auf drei Bootslängen angewachsen. Die Tonnenrundung größerer Pulks dauert insgesamt länger. Wie ist Regel 18.4 in diesem Zusammenhang zu sehen? Wird hierdurch das Recht auf einen Schlenker begrenzt um eine Außenposition zu vermeiden? Muss ich als außen liegendes Boot Raum geben, damit das innen liegende Boot durch Richtungsänderung abbremsen und sich innen einreihen kann, statt ggf. außen am Vordermann vorbei zu runden?
gast
 

Nur ein schmaler Korridor

Beitragvon uli » Mo 25. Mai 2009, 23:39

» Nach meiner Einschätzung führt die Einführung des 3-Längen Kreises in » kleineren Bootsklassen die praktisch „auf dem Teller drehen“ können zu » folgendem Problem wenn in großen Feldern die Leetonne gerundet wird: » » Keiner möchte nach außen. Alle versuchen teilweise durch extreme » Richtungsänderungen (Haken) abzubremsen um hinter dem vorhergehenden Boot » die Tonne innen runden zu können. Der Raum für solche Bremsmanöver bzw. » Umwege scheint mir nun auf drei Bootslängen angewachsen. Die Tonnenrundung » größerer Pulks dauert insgesamt länger. » » Wie ist Regel 18.4 in diesem Zusammenhang zu sehen? Wird hierdurch das » Recht auf einen Schlenker begrenzt um eine Außenposition zu vermeiden? Muss » ich als außen liegendes Boot Raum geben, damit das innen liegende Boot » durch Richtungsänderung abbremsen und sich innen einreihen kann, statt ggf. » außen am Vordermann vorbei zu runden? Meine Bisherigen Erfahrungen bestätigen dies nicht. Bahnmarken-Raum ist nur der schmale Korridor um vom Zeitpunkt, indem Regel 18.2 in Kraft tritt auf direktem Wege von dem Punkt an dem das Boot mit Anspruch auf Bahnmarkenraum gerade ist bis zu einem Punkt direkt neben der Bahnmarke. Verläßt ein Boot ohne Wegerecht diesen Korridor wird es nicht mehr durch Regel 18.2 geschützt. Schlenker und Haken können also schnell zu nicht entlastbaren Regelverletzungen führen. Anders ist es, solange das Boot mit Anspruch auf Bahnmarken-Raum gleichzeitig Wegerecht besitzt. Vorsicht bei Regel 18.4. Diese Regel gilt nur für ein Boot mit Wegerecht, das Anspruch auf Bahnmarken-Raum hat und halsen muss. Hier ist es nicht erlaubt, weiter an der Boje vorbei zu segeln als den richtigen Kurs. Dies schränkt ebenfalls ein zu weites ausholen ein. Zur letzten Frage: Als außen liegendes Boot mit Wegerecht muss man dem innenliegenden Boot nur den Platz des Korridors zu Bahnmarke lassen (und danach den Platz zum Runden) und falls Boote voraus sind nach Regel 19 den Raum zum Passieren des vorausliegenden Bootes. Hat das außenliegende Boot kein Wegerecht muss es sich außerdem freihalten, bei plötzlichen Richtungsänderungen des innenliegenden Bootes unterliegt dieses aber Regel 16.1, wenn es außerhalb des Bahnmarken-Raums ist.
uli
 

Nur ein schmaler Korridor

Beitragvon gast » Mi 27. Mai 2009, 10:30

Danke für die rasche und umfangreiche Antwort. Zu Regel 18.4 habe ich aber noch eine Frage. Die Formulierung richtiger Kurs in 18.4 bezieht sich ja nur auf die Notwendigkeit der Halse und damit auf die Anwendbarkeit der Regel. Das eingeräumte/beschnittene Recht ist mit „darf es bis zum Halsen nicht weiter an der Bahnmarke vorbeisegeln, als es für das Segeln dieses Kurses notwendig ist“ beschrieben. Richtiger Kurs würde ggf. auch einen Haken einschließen um innen runden zu können. Die oben zitierte Formulierung scheint aber restriktiver zu sein oder sehe ich das falsch?
gast
 

Drei Bedingungen für Regel 18.4

Beitragvon uli » Mi 27. Mai 2009, 14:34

"» Danke für die rasche und umfangreiche Antwort. Zu Regel 18.4 habe ich aber » noch eine Frage. Die Formulierung richtiger Kurs in 18.4 bezieht sich ja » nur auf die Notwendigkeit der Halse und damit auf die Anwendbarkeit der » Regel. Das eingeräumte/beschnittene Recht ist mit » » „darf es bis zum Halsen nicht weiter an der Bahnmarke vorbeisegeln, als es » für das Segeln dieses Kurses notwendig ist“ » » beschrieben. Richtiger Kurs würde ggf. auch einen Haken einschließen um » innen runden zu können. Die oben zitierte Formulierung scheint aber » restriktiver zu sein oder sehe ich das falsch? Damit Regel 18.4 in Kraft tritt, sind drei Bedingungen zu erfüllen: 1. Das betroffene Boot muss innen überlappen. 2. Für das betroffene Boot gehört die Halse zum richigen Kurs. 3. Das betroffene Boot hat Wegerecht. Der richtige Kurs ist der Kurs, den das Boot fahren würde, wenn das außen liegende nicht da wäre. Wenn nur die Bahnmarke und das außen liegende Boot (oder Boote) sind, ist beim richtigen Kurs kein \""Haken\"", da ein Boot alleine sicher keinen \""Haken\"" segeln würde um so schnell wie möglich ins Ziel zu segeln. Falls voraus noch Boote an der Bahnmarke stehen, dann gilt nicht nur 18 sondern zusätzlich 19!!"


Zuletzt als neu markiert von Anonymous am Mi 27. Mai 2009, 14:34.
uli
 


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