Regattalauf bei Nebel

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Regattalauf bei Nebel

Beitragvon RolfN » Do 21. Sep 2017, 13:47

Hallo,

ich habe keine Vorgaben zu Wetterbdingungen für Wettfahrten, im speziellen NEBEL, gefunden.

Grund ist die Durchführung eines Regattalaufes ( Binnenrevier mit Ausgleicherfaktor -Jollen, Katamarane, Dickschiffe und offene Kielnboote).

Beim Verlassen des Hafens war weder die Lage des Startschiffes, als auch die Lage der Bahnmarken zu sehen (Sichtweise ca. 50 m). Dies konnte man auf Grund des Windes nur erahnen. Der Wettfahrtleiter starte wie am Vortag angekündigt um 11°° , obwohl der größte Teil der Segler noch nicht am Startschiff war und ließ den Lauf durchlaufen , obwohl sich die Sichtweite auf ca. die Hälfte verringerte. Helfer der Wettfaht bestättigten anschließend, dass sie selbet auf dem Start/Zielschiff weder die Teilnehmer, als auch die Bahnmarkenmanöver nicht sehen konnten. Komentar eines Mitverantwotlichen des Veranstalters " jeder ist für sich selbst verantwortlich zu entscheiden wann er aufhört"

Meine Fragen:
1 - gibt es Vorgaben zu den Wetterbedingung von Wettfahrten?

2 - wenn nein, wie sollte man als Wettfahrtleiter bei solchen Bedingungen Verfahren?

3 - würde der Haftungsausschluss bei Schäden mit schweren Personenschäden in solch einem Fall wirklich greifen, bzw generell bei Schäden (zum Glück ist nichts passiert!) oder sollte man vorsichtshalber als Wettfahrtleiter und/oder Veranstalter auch im eigenen Interesse der Haftbarkeit und Sicherheit zu liebe nicht Starten , bzw. sofort abbrechen?

4 - haben die Teilnehmer ein Recht gegen einen solchen Lauf zu protestieren?

5 - wenn ja, nach welcher Regel (z.B war ja ein Erkennen von Startsignalen ab einem gewissen Abstand zum Startschiff bereits nicht mehr zu erkennen).

Vielen Dank für eure Meinungen und Auslegung der Regeln

Rolf Neu
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Re: Regattalauf bei Nebel

Beitragvon uli_finckh » Do 21. Sep 2017, 17:28

Wenn die Sicht so gering ist, dass die Sicherheit oder Fairness der Wettfahrt gefährdet ist, sollte der Wettfahrtleiter von seinem Recht nach WR 31.1(a) und (d) Gebrauch machen und die Wettfahrt entweder nicht starten oder abbrechen.
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Re: Regattalauf bei Nebel

Beitragvon RolfN » Do 21. Sep 2017, 19:23

Vielen Dank für die schnelle Beantwortung einer meiner Fragen.

Du meinst sicherlich Regel 32.1 (a) und (d) ?

Ich schließe daraus, dass damit auch Segler/innen auf Grund dieser Regel einen Protest einlegen könnten.

Sicherlich ist Frage 3 nicht so einfach zu beantworten und kann nur von Fall zu Fall beurteilt und entschieden werden. Allerdings hätte mich eine grobe Tendenz interessiert
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Re: Regattalauf bei Nebel

Beitragvon uli_finckh » Do 21. Sep 2017, 20:52

Natürlich meinte ich 32.1(a) und (d). -Tippfehler.
Ich würde als Wettfahrtleiter eine Wettfahrt bei Sichtweiten von 50m nicht riskieren. Im Falle von Kollisionen mit Personenschäden bei diesen Bedingungen wird schnell eine Untersuchung in die Wege geleitet und dann wird wohl auch nach der Haftung durch den Veranstalter gefragt.
In der schifffahrtspolizeilichen Genehmigung der Wasser und Schifffahrtsverwaltung für Regatten an der Ostsee stehen folgende Sätze:
"Die Wettfahrten dürfen nur bei geeigneten Wetterverhältnissen und guter Sicht gestartet werden."
"Bei Eintritt widriger Wetterverhältnisse oder bei Sichtverschlechterung während der Veranstaltungen müssen die Boote unverzüglich einen geeigneten Liegeplatz aufsuchen."
Da an Binnenseen das Gefahrenpotential nicht so groß ist wie auf der Ostsee wird man in den Genehmigungsentscheiden der Behörden solche Sätze wohl nicht finden. Ein untersuchender Staatsanwalt kann aber in ähnlicher Form argumentieren.
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Re: Regattalauf bei Nebel

Beitragvon RolfN » Fr 22. Sep 2017, 17:34

Vielen Dank Uli für deine Auslegungen.
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Re: Regattalauf bei Nebel

Beitragvon sergiolotts » Fr 14. Aug 2020, 13:36

uli_finckh hat geschrieben:Wenn die Sicht so gering ist, dass die Sicherheit oder Fairness der Wettfahrt gefährdet ist, sollte der Wettfahrtleiter von seinem Recht nach WR 31.1(a) und (d) Gebrauch machen und die Wettfahrt entweder nicht starten oder abbrechen.




alles ist richtig, ich glaube, dass Sicherheit an Erster Stelle steht
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Re: Regattalauf bei Nebel

Beitragvon Helmut » Fr 21. Aug 2020, 09:32

Hi
wie in diesem Falle der WL richtigerweise hätte handeln sollen und auf welche Regel er seine Entscheidung hätte stützen können, ist ja oben erläutert worden. Aber die Wf ist ja nun gelaufen (und nichts ist passiert).
Nun steht da noch die Antwort auf Frage 4 - "haben die Teilnehmer ein Recht gegen einen solchen Lauf zu protestieren?" aus.
Dazu ist zu sagen: Es gibt kein Recht eines Bootes gegen das Wettfahrtkomitee zu protestieren (und schon gar nicht gegen einen "Lauf"). Ein Teilnehmer könnte höchstens Wiedergutmachung nach Regel 60.1(b) beantragen. (Der Entscheidung des Protestkomitees wären aber enge Grenzen gesetzt, die sich aus Regel 62 ergeben).
Damit erübrigt sich auch die Antwort auf die Frage Nr. 5 - "wenn ja, nach welcher Regel (z.B war ja ein Erkennen von Startsignalen ab einem gewissen Abstand zum Startschiff bereits nicht mehr zu erkennen)".

Die wirksamste Möglichkeit die die Teilnehmer hätten wäre, künftig zu dieser Regatta nicht mehr zu melden.
An den Ergebnissen der gelaufenen Wettfahrt ist wohl nichts mehr zu ändern.

Helmut
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Re: Regattalauf bei Nebel

Beitragvon uli_finckh » Fr 21. Aug 2020, 18:04

Helmut schreibt dies recht klar.
Ein Antrag auf Wiedergutmachung ist die einzige Möglichkeit. Dass aus solch einem Antrag ein Abbruch der Wettfahrt durch das Protestkomitee folgt, ist zwar möglich (WR 62.1(a) und 32.1(a) bzw.(d)), aber wegen der "Kann-Klausel in 32.1" wohl nur in extremen Situationen durchs Protestkomitee zu vertreten.
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