Wer darf Vermessungsprotest einlegen

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Wer darf Vermessungsprotest einlegen

Beitragvon Guido Moritz » Di 20. Sep 2005, 18:02

"Hallo. Ich wurde heute etwas interessantes gefragt und habe bis jetzt leider keine lösung dafür gefunen. ich hoffe hier finde ich diese hilfe. wer darf eigentlich einen vermessungsprotest (einen protest also, der anzeigt, dass ein boot nicht seinen klassenvorschriften entspricht) einreichen? der jeweiliger vermesser (mit dsv lizens) sicherlich. das ist ja klar. aber wie sieht es eigentlich aus mit schiedsgericht, anderen teilnehmern bzw. der wettfahrtleitung. wenn also jemand von den 3 bemerkt \""hey, der hat keine messmarken \"" oder sowas in der art, dürfen die dann auch protest einlegen? vielen dank für die hilfe"
Guido Moritz
 

Wer darf Vermessungsprotest einlegen

Beitragvon Jens Villumsen » Mi 21. Sep 2005, 15:09

Ich denke, daß die Antwort klar und deutlich in Regel 60 steht. Ein teilnehmer kann protestieren (61.1(a)), die Wettfahrtleitung kann protestieren (61.2(a)) und das Schiedgericht kann protestieren (61.3(a)
Jens Villumsen
 

Wer darf Vermessungsprotest einlegen

Beitragvon Jens Villumsen » Mi 21. Sep 2005, 15:13

"Ups - ein kleiner Druckfehler
Jens Villumsen
 

Wer darf Vermessungsprotest einlegen

Beitragvon Guido Moritz » Mi 21. Sep 2005, 17:51

ja, aber mit welcher grundlage kann denn ein vermesser bei der deutschen oder wm oder so gegen jemanden protestieren. die sind weder wettfahrtleitung (außer er gehört zufällig zum veranstalter) noch schiri noch teilnehmer. oder sehe ich das falsch
Guido Moritz
 

Wer darf Vermessungsprotest einlegen

Beitragvon Jens Villumsen » Mi 21. Sep 2005, 21:03

Ich muß gestehen, ich kennen nicht die Regeln der DSV für deutsche Meisterschaften - ich bin Däne (daher auch nicht immer korrektes deutsch). Jedoch ist für größere Meisterschaften normalerweiße ein Vermesser für die Verantstaltung berufen. Er kann zwar nicht direkt protestieren, aber er kann einen schriftlichen Rapport an die Wettfahrtleitung geben, die dann gegen das Boot protestieren muß. Regel 78.3
Jens Villumsen
 

Vermesser legt Bericht vor

Beitragvon uli finckh » Mi 21. Sep 2005, 22:08

In Regel 78.3 ist die Befugnis des Vermessers festgelegt: Stellt ein für die Veranstaltung eingesetzter Vermesser fest, dass ein Boot den Klassenvorschriften nicht entspricht, muss es die Angelegenheit der Wettfahrtleitung melden, die seinerseits Protest einlegen muss. In diesem Satz sind 3 Dinge zu beachten: 1. Der Vermesser muss für die Veranstaltung festgelegt sein. Irgendein herumlaufender Vermesser ist also nicht befugt einen Bericht vorzulegen. 2. Dieser Vermesser muss den Bericht vorlegen. 3. Die Wettfahrtleitung muss Protest einlegen.
uli finckh
 

also darf nur..

Beitragvon Guido Moritz » Do 22. Sep 2005, 09:47

also darf dann nur die wettfahrtleitung protestieren. oder ein schiri auch? (nach 61 oder was das ist)
Guido Moritz
 

Segler, Wettfahrtleiter oder Schiri

Beitragvon uli Finckh » Do 22. Sep 2005, 18:52

Protestieren dürfen Boote, Wettfahrtleiter oder Schiedsrichter.(WR60) Vermesser, sofern sie für die Veranstaltung bestellt sind, müssen (nicht dürfen!) einen Bericht an die WL erstellen, diese muss (shall ist zwingend!) dann protestieren. (WR78.3)
uli Finckh
 

Segler, Wettfahrtleiter oder Schiri

Beitragvon Christian Enzmann » Mo 26. Sep 2005, 09:42

"Hallo Uli, » Protestieren dürfen Boote, Wettfahrtleiter oder Schiedsrichter.(WR60) » Vermesser, sofern sie für die Veranstaltung bestellt sind, müssen (nicht » dürfen!) einen Bericht an die WL erstellen, diese muss (shall ist » zwingend!) dann protestieren. (WR78.3) Wir hatten gerade so einen Fall bei den Topcat K1 Worlds am Gardasee. Ein Boot (meines
Christian Enzmann
 

Vorsicht war besser

Beitragvon uli finckh » Mo 26. Sep 2005, 19:44

Hallo Christian, die von einem vorgesehenen amtlichen Vermesser festgestellten Fakten bezüglich der Regelauslegung sind für Wettfahrtleitung und Schiedsgericht bindend. Die in 64.3(b)vorgesehene Anrufung einer höheren Instanz des Veremssungswesen sollte wohl schon vom amtlichen Vermesser selbst vorgeschlagen oder erwägt werden, bevor das Schiesgericht diesen auch kostenträchtigen Weg geht. Der Wettfahrtleiter kann zusätzlich zu der im bisherigen Dialog genannten Protestverpflichtung natürlich auch nach Regel 76.1 eine Meldung eines Bootes mit der Begründung zurückweisen, dass das Boot nach Aussage des bestellten Vermessers nicht den Klassenregeln entspricht. Dies bedeutet, dass eine Änderung im Sinne der Regelauslegung des Vermessers den Start garantiert, ein Widersetzen gegen die Meinung des Vermessers aber bereits hier zum Nichtstart führen kann. Auch das Schiedsgericht kann bei einer Aussage eines Vermessers, dass eine Einrichtung nicht den Klassenbestimmungen entspricht, eigentlich nur die Disqualifikation aussprechen. Im Zweifelsfall über die Auslegung der Vermessungsregel kann in einem solchen Fall der Betroffene gemäß 64.3(b) schriftlich versichern, dass er in die Berufung geht und darf dann auf Widerruf, wie es in der Regel steht, mitsegeln. Zusätzlich sollte man vor Definitionen, die Genaker und Spinnaker unterscheiden sehr vorsichtig sein. Diese Definitionen sind meist selbst gstrickt und orientieren sich am Alltagsgebrauch des Wortes. Als Beispiel einer Regeldefinition weise ich deshalb auf Regel 50.4 hin, die nur zwischen Vorsegel und Spinnaker unterscheidet.
uli finckh
 

Nächste

Zurück zu Fragen zu Wegerechtsituationen und Schiedsrichterfragen

cron