WR28-WR32

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

WR28-WR32

Beitragvon MarkusE » Mo 13. Jul 2015, 09:17

Hallo zusammen, folgende Situation:

In der Segelanweisung wurden folgende Punkte festgelegt; Skizze siehe Anhang
2015-07-12 Bahnabkürzung Rundungsfehler.jpg
(151.02 KiB) Noch nie heruntergeladen
:
WFL-Boot & Bahnmarke 3= Startlinie
WFL-Boot & Bahnmarke 5= Ziel
Kurs: Start-1-2-3/4-1-2-3/4-Ziel
Flagge Foxtrott auf oder bei einer Bahnmarke = nach Runden dieser Bahnmarke ins Ziel segeln (Änderung der WR32)

Situation:
Flagge F wurde auf dem Schlauchboot wenige Meter leeseitig des Gates mit Schallsignalen gezeigt (Anm.: allerdings als Flagge, was es manchen Teilnehmern schwer machte diese zu sehen)

Ein Boot passiert Bahnmarke 4 außen und segelt dann ins Ziel.

Keine Protestverhandlung, da Teilnehmer nachträglich aufgibt (Streicher, der an der Platzierung nichts ändert)

Es ergab sich folgende Diskussion:

Schiedsgericht: Verstoß gegen WR 28.2(c)

Teilnehmer: Die Tonne 4 macht zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn mehr und er hätte eh einen Nachteil durch seinen weiteren Weg gehabt; da die Bahnmarke 4 keine Bedeutung hätte würde die gedachte Schnur ja Bahnmarke 3 an der richtigen Seite berühren.

Schiedsgericht: das Tor entspricht der Bahnmarke aus WR28, besteht aus 2 Tonnen und muss innen durchsegelt werden.

WFL/ Teilnehmer: man könnte bei Bahnabkürzung ja Tonne 4 herausnehmen, so würde das bei anderen Veranstaltungen gemacht

SR: Diese Bahnänderung kann aber nicht gem. WR32 angezeigt werden und müsste in der Segelanweisung beschrieben werden.



Fragen:
- Wie seht ihr die Interpretation von Regel 28
- Gibt es eine Möglichkeit Tonne 4 Regelkonform rauszunehmen?

Danke, VG
Markus
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Re: WR28-WR32

Beitragvon Willii Gohl » Di 14. Jul 2015, 19:16

Hallo,
zu Frage 1:
Es ist völlig unerheblich, ob das Auslassen/Umsegeln der Tonne 4 einen Nachteil oder Vorteil darstellt. Der Teilnehmer soll einfach die Segelanweisung lesen. Da steht der Kurs und die Reihenfolge und es heißt 3/4, gemeint ist damit das Tor. Gemäß WR 28.2c ist ein Tor zu durchsegeln. Alles andere spielt überhaupt keine Rolle.
Also: Schiedsrichter lagen richtig, Teilnehmer falsch.

zu Frage 2
Man kann fast alles regelkonform machen, die Frage bleibt jedoch, warum manche glauben, bewährte Wettfahrtregeln ständig ändern zu müssen. Bei dem gezeigten Kurs gibt es überhaupt keinen Grund von der WR 32 abzuweichen.
Offensichtlich hatte die Wettfahrtleitung ein Schlauchboot zur Verfügung. In dieses setzt sich der Wettfahrtleiter, nimmt eine 2. Person mit, ein Diktaphon und ein Klemmbrett mit Papier und Bleistift, setzt am Tor Flagge S mit 2 Schallsignalen und hat sein Ziel. Die oben erwähnte Diskussion zwischen Teilnehmer und Schiedsgericht wird dann überflüssig wie ein Kropf.
Das (Regatta-) Leben kann einfach sein, wenn man es sich nicht selbst unnötig schwer macht.
Willii Gohl
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Re: WR28-WR32

Beitragvon thorsten » Di 14. Jul 2015, 19:55

Wenn man in der SI schreibt:

Kurs: Start-1-2-3/4-1-2-3-Ziel

dann wäre das Dingen immerhin schonmal bei der letzten Rundung kein Tor mehr..

In Sachen Bahnabkürzung bin ich bei Willii - je weniger Sonderlocken man in den lokalen SI hat, desto besser finden sich auch Zugereiste auf dem Kurs zurecht ;)
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Re: WR28-WR32

Beitragvon Helmut » Di 14. Jul 2015, 20:31

Hallo Markus

Schiedsgericht: Verstoß gegen WR 28.2(c)
Genau richtig.

Schiedsgericht: das Tor entspricht der Bahnmarke aus WR28, besteht aus 2 Tonnen und muss innen durchsegelt werden.
Falsch: Der Text in WR 28.2(c) lautet: ....zwischen den BahnmarkEN eines Tores..... Also ist ein Tor nicht als EINE Bahnmarke zu sehen, sondern jede der beiden Bojen ist für sich eine Bahnmarke, auf die die Definition Bahnmarke zutrifft. Und zu Bahnmarken werden die Bojen lt. Definition nur dadurch, daß die Segelanweisungen verlangen daß sie an einer bestimmten Seite gelassen werden. WR J2.1(5) verlangt dies ebenfalls und darüber hinaus, daß die Bahnmarken, die zu RUNDEN sind gekennzeichnet werden.
Sinngemäß ist das in den SA (häufig im Anhang Bahnskizze) für ein Tor etwa so oder so ähnlich formuliert:
"Runden der Bahnmarken
Die Bahnmarken 1 und 2 sind Backbord zu runden.
Die Bahnmarken 3a und 3b werden als Tor ausgelegt, das aus der
Richtung der vorhergehenden Bahnmarke kommend zu durchsegeln ist.
Dabei ist entweder die steuerbordseitige Bahnmarke steuerbord oder
die backbordseitige Bahnmarke backbord zu runden.
Es ist frei gestellt, welche der beiden Bahnmarken gerundet wird.
Fehlt eine der beiden Bahnmarken, so ist die verbleibende Bb zu runden".

WFL/ Teilnehmer: man könnte bei Bahnabkürzung ja Tonne 4 herausnehmen und - Gibt es eine Möglichkeit Tonne 4 Regelkonform rauszunehmen?
Natürlich könnten die SA eine entsprechende Regelung treffen. Aber was für einen Sinn sollte eine solche Maßnahme haben? Das wäre nur umständlich zu realisieren, fehlerträchtig und anfällig für Mißverständnisse.

SR: Diese Bahnänderung kann aber nicht gem. WR32 angezeigt werden und müsste in der Segelanweisung beschrieben werden.
Natürlich kann sie das nicht, denn das ist ja keine "Änderung des nächsten Bahnschenkels". Eine solche (ungeschickte) Maßnahme müsste in den SA beschrieben werden. Falls jedoch bei der Beschreibung des Tores der (als "Notnagel" gedachte) Zusatz steht
"Fehlt eine der beiden Bahnmarken, so ist die verbleibende an Backbord zu runden.",
so könnte eine der beiden Bojen einfach entfernt werden. Schön wäre das jedoch nicht, denn die Segler sollen vorher wissen, wie gesegelt werden muß.

Resumee: Nichts ändern (Allenfalls Bahn und Tor im Anhang "Bahnskizze" sauber beschreiben, fall das nicht eh schon der Fall ist). Der falschfahrende Segler sollte sich halt einfach mal mit den Regeln vetraut machen.

Beste Grüße
Helmut
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Re: WR28-WR32

Beitragvon MarkusE » Sa 18. Jul 2015, 21:11

Vielen dank für die Antworten!
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