"ON WATER JUDGING" Appendix Q

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

"ON WATER JUDGING" Appendix Q

Beitragvon O'pen BIC » Mo 21. Apr 2014, 19:58

Hallo,
in der O'pen BIC Klasse segeln wir seit je her mit Wasserschiedsrichtern und akzeptieren keine Proteste. Unsere Rennen werden auf dem Wasser entschieden und nicht im Protestraum. Dieses erfolgreiche, beliebte und zeitsparende Verfahren wird nun durch unsere Anerkennung beim DSV und die Teilnahme an Deutschen- und Landesmeisterschaften zunehmend in Zweifel gezogen. Basis unserer Regeln ist das internationale Regelwerk der Klasse, vor allem unsere "standard event rules" und wohl der Appendix Q der RRS.

Weiss jemand, ob und wieweit dieser experimentelle Appendix Q von uns herangezogen werden kann, oder ob er schon wieder obsolet ist. Wir möchten einhellig weiter auf diesen "Protestunfug" verzichten und ich suche nach einer "segelrechtlichen" Grundlage für unser bewährtes "on water judging".
Ich bin da für jeden Tipp und jede Information dankbar
O'pen BIC
 

Re: "ON WATER JUDGING" Appendix Q

Beitragvon uli_finckh » Mo 21. Apr 2014, 21:04

Natürlich ist auch direct judging im Bereich des DSV erlaubt, aber es bedarf dann ausgebildeter Wasserschiedsrichter in entsprechender der Größe des Feldes angepasster Anzahl. (Experimental appendix Q spricht von mindestens einem Schiedsrichterboot mit je zwei Schiedsrichtern pro 6 Teilnehmerboote)
Noch zur Klarstellung:
Klassenregeln können nicht die Regel 60 ändern, also das Recht zu protestieren aufheben.
Lediglich Segelanweisungen können hier in bestimmten Grenzen Änderungen vornehmen. Daran ändern auch event-rules einer Klasse nicht.
Wenn es dann auch um Ranglistenregatten geht oder um eine Deutsche Meisterschaft oder Jugend bzw. Jüngstemeisterschaft, sind natürlich auch die Ordnungsvorschriften des DSV zusätzlich zu beachten.
Der Satz auf der Homepage der Open-Bic: "Die letzte Regatta am ...hat bei einigen Teilnehmern zu bösen Überraschungen geführt, weil sie sich im Regelwerk nicht wirklich auskannten und von der strengen Regelauslegung getroffen wurden. Wir nehmen das zum Anlass hier über relevante Grundlagen zu informieren." gilt wohl für Segler als auch die Offiziellen.
uli_finckh
 
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Re: "ON WATER JUDGING" Appendix Q

Beitragvon O'pen BIC » Di 22. Apr 2014, 15:31

Hallo Uli,
danke für die Antwort. Es freut mich, dass Du meinen Beitrag auf der KV-Seite so aufmerksam gelesen hast. Du hast natürlich Recht, ich frage hier ja auch, damit die Offiziellen (im wesentlichen Ich) was dazu lernen. Das Schöne an unsere Klasse ist, dass wir fast alle Quereinsteiger sind uns mit dem Regelwerk bisher nicht allzusehr belasten mussten. Auch die internationalen Klassenregeln waren französich geprägt und sehr zurückhaltend. Jetzt im Rahmen der DSV-Anerkennung werden die Dinge natürlich komplizierter, wenn auch nicht unbedingt besser. Ich stehe nun vor der spannenden Aufgabe, den unkomplzierten Charme der Klasse zu erhalten und gleichzeitig das Regelwerk so anzupassen bzw. international so zu beeinflussen, dass es DSVkonform ist.
Kann ich aus Deiner Antwort schliessen, dass der Appendix Q durchaus ein gangbarer Weg ist um die Proteste auszuhebeln, sofern in Ausschreibung und Segelanweisung darauf verwiesen wird ?
Vielen Dank für die Hilfe
Marcus
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Re: "ON WATER JUDGING" Appendix Q

Beitragvon uli_finckh » Di 22. Apr 2014, 15:39

Hallo
der Begriff "Proteste aushebeln" ist falsch.
Appendix Q und auch Addendum Q lassen Proteste zu. Allerdings wird ein Großteil aller Proteste auf dem Wasser von Wasserschiedsrichtern aus eigener Anschauung entschieden und nicht nach der Wettfahrt in einer Anhörung.
Dies muss man sehr sauber regeln. Entsprechendes geschieht ja auch in der Bundesliga.
uli_finckh
 
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Re: "ON WATER JUDGING" Appendix Q

Beitragvon O'pen BIC » Di 22. Apr 2014, 15:49

Vielen Dank für die Info. Ich schau mich mal bei der Bundeliga um.
Viele Grüße

Marcus
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