fehlerhafter Aushang der Jury

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

fehlerhafter Aushang der Jury

Beitragvon 0815 » So 6. Apr 2014, 09:28

Ein DSQ der Jury wurde in der 4.WF ausgehängt... statt in der 1.WF.
4 Wettfahrten wurden noch gar nicht gesegelt !
Es ist eindeutig ein Fehler der Jury - wie ist weiter zu verfahren ? Bleibt es bei dem korrekten DSQ in der 1.WF ? Auf dem Formular steht die richtige Entscheidung.... Gibt es dazu einen Case ?
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Re: fehlerhafter Aushang der Jury

Beitragvon 306 » So 6. Apr 2014, 14:43

Hallo 0815,

Ein DSQ der Jury wurde in der 4.WF ausgehängt... statt in der 1.WF.
4 Wettfahrten wurden noch gar nicht gesegelt !

Wie ist das zu lesen ?
Hat in einem Aushang gestanden, daß das Ergebnis einer Protestverhandlung war, ein Boot für die 4.Wf zu disqualifizieren (obwohl die noch gar nicht gesegelt worden ist) ? Eine Ergebnisliste kann dann ja nicht gemeint sein.
Und auf welchem Formular steht die "richtige" Entscheidung ?

Gruß, 306
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Re: fehlerhafter Aushang der Jury

Beitragvon 0815 » So 6. Apr 2014, 14:49

Richtig... Das fehlerhafte Ergebnis stand bei den Entscheidungen am Aushang - und auf dem Protestformular stand das richtige Ergebnis !
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Re: fehlerhafter Aushang der Jury

Beitragvon 306 » So 6. Apr 2014, 15:50

Hallo 0815,

dann hat es also eine Protestverhandlung mit der Entscheidung gegeben, ein Boot zu disqualifizieren. Dieses Boot ist Partei der Verhandlung gewesen (64.1 1.Satz). Daher ist das Boot unverzüglich u.a. über diese Entscheidung informiert worden (65.1), und das Boot scheint diese Entscheidung auch gem 65.2 schriftlich erhalten zu haben ("Protestformular richtig").

Da ist der Aushang, in dem nur die betreffende Wettfahrt falsch bezeichnet worden ist, nicht entscheidend. Er sollte korrigiert werden, aber an der Disqualifikation ändert das nichts.

Wenn am Ende der Serie unter den genannten Voraussetzungen die Wertung falsch ausgehängt worden wäre (DSQ in 4 statt in 1), könnte schon die WL das nach 90.3(c) von sich aus korrigieren. Aber so weit waren wir ja noch gar nicht.

Einen Case gibt es dazu m.W. nicht.

Ich hoffe, Ihre Frage zufriedenstellend beantwortet zu haben.

Grüße, 306
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Re: fehlerhafter Aushang der Jury

Beitragvon 0815 » So 6. Apr 2014, 20:15

Ich hab es wirklich unvollständig geschrieben.
Der Protestgegner war nicht in der Verhandlung, es wurde nach 63 in Abwesenheit verhandelt.
Der Protestgegner erhielt also erst durch den Aushang Kenntnis von dem DSQ.
Daraufhin hat er einen Antrag auf Wiedergutmachung gestellt.
1. Dem Antrag hat die Jury entsprochen, da sie einen Fehler am Aushang gemacht hat, also kein DSQ in der 4.WF.
2. Die Jury hat von sich aus die Verhandlung wiederaufgenommen, um den Protestgegner nun korrekt von dem Ergebnis der Protestverhandlung zu unterrichten - DSQ 1.WF
Vorgehensweise korrekt ?
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Re: fehlerhafter Aushang der Jury

Beitragvon 306 » Mo 7. Apr 2014, 06:58

Um es kurz zu machen : Ja, das ist im Ergebnis so in Ordnung.

Das Schiedsgericht hatte in der ersten Verhandlung in Abwesenheit einer der beiden Parteien verhandelt, entschieden und die anwesende Partei richtig informiert. Die abwesende Partei konnte nicht in der Verhandlung informiert werden. Sie hat diese (vorgeschriebene) Information über den (grundsätzlich nicht erforderlichen) Aushang erhalten. Der war unsinnig, weil die 4.WF, für die die Disqualifikation ausgesprochen worden war, noch gar nicht stattgefunden hatte. Also war das keine Information für die abwesende Partei, und die mußte nachgeholt werden.

Parteien haben das Recht zur Anwesenheit bei der Verhandlung. Wenn eine Partei dieses Recht nicht wahrnimmt, kann das Schiedsgericht, wie Sie richtig schreiben, nach 63.3(b) auch ohne sie verhandeln und entscheiden. Ebenfalls nach dieser Bestimmung kann die Verhandlung wiedereröffnet werden, wenn die Abwesenheit unvermeidlich war. Die Anforderungen an die Unvermeidlichkeit sind eher hoch und waren hier möglicherweise nicht gegeben.

Eine Verhandlung kann außerdem wiedereröffnet werden (WR 66), wenn dem Schiedsgericht ein entscheidender Fehler unterlaufen ist (oder wenn neue Beweismittel verfügbar werden). Ob der falsche Aushang ein „entscheidender“ Fehler war, lasse ich mal dahingestellt. Ich würde das nicht so sehen. Aber immerhin bietet sich hier die Möglichkeit zu einer Fortsetzung der Verhandlung.

Die Möglichkeit eines Antrags auf Wiedergutmachung sehe ich in diesem Falle aber nicht. Voraussetzung dafür ist (s. 62.1, 1.Abs.), daß „die Wertung“ eines Bootes … erheblich verschlechtert wurde“. Die Wertung ist aber gar nicht verschlechtert worden, geschweige denn „erheblich“, wenn ich Sie richtig verstanden habe. (Vielleicht wäre dem Boot am Ende ein DSQ in der 4.WF sogar lieber gewesen als in der ersten.)

Wie auch immer : Das Schiedsgericht hat – unter welcher Voraussetzung auch immer – die Verhandlung wiederaufgenommen, um dem Protestgegner die Entscheidung zu verkünden. Das ist zweifellos ein vernünftiger Weg, um das Erfordernis einer Information der anfänglich abwesenden Partei zu erfüllen. Eine Kopie des Urteils hätte es wohl auch getan, aber so ist es netter.
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