Bahnschenkel

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Re: Bahnschenkel

Beitragvon uli_finckh » Mo 24. Mär 2014, 19:57

Hallo 306,
eine Drehungs-Strafe ist nur bei Verstößen gegen Regeln von Teil 2 (also den Wegerechtsregeln) oder Regel 31 (Bahnmarkenberührung) gültig, nicht bei Verstößen gegen Regel 28 (Absegeln der Bahn). Wenn ein Boot eine Bahnmarke auf der falschen Seite rundet und anschließend eine Zwei-Drehungen-Strafe ausführt nutzt das gar nichts.
Das Problem des Protestrufes bei falschem Bahnmarkenrunden besteht vorallem darin, dass das falsche Bahnmarkenrunden ja jederzeit noch berichtigt werden kann, der Verstoß gegen Regel 28 eigentlich erst im Ziel explizit festgestellt werden kann.
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Re: Bahnschenkel

Beitragvon 306 » Mo 24. Mär 2014, 21:18

Hallo Uli Finckh,

klar, daß eine Drehungsstrafe nur in den von Dir genannten Fällen gültig ist. Da habe ich mich wohl mißverständlich ausgedrückt. Vielleicht wird es so deutlicher.

Nehmen wir an, ein Boot hat gegen eine Regel von Teil 2 oder gegen Regel 31 verstoßen, ist sich darüber aber nicht im klaren. Jetzt hört es den Ruf "Protest", der nur ihm gelten kann. Dieser Ruf ist zwar Voraussetzung für einen späteren Protest gegen das Boot, hilft ihm aber zugleich, vorsorglich eine Drehungsstrafe auszuführen und sich so vor einer möglichen Disqualifikation zu schützen (falls nicht 44.1(b) gilt, um ganz korrekt zu sein).

Objektiv ist also auch ein derartiger Zuruf eine Hilfe von außen. Das hatte ich gemeint.
306
 
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Re: Bahnschenkel

Beitragvon Willii Gohl » Mo 24. Mär 2014, 21:42

Lieber Uli, hallo 306.
306, Ihr Einwand "Der Fehler eines Bootes beim Absegeln der Bahn mag aus einer Entfernung festgestellt werden, aus der der Ruf „Protest“ nicht hörbar und die rote Flagge nicht sichtbar sind." ist richtig, aber dafür brauchen wir WR 61.1(a) (3) nicht, denn das ist in WR 61.1(a) (1) hinreichend abgedeckt.
Uli, alle Deine Beschreibungen sind richtig. Für mich bleibt es aber aber systemwidrig, dass die Protestabsicht nicht unverzüglich anzuzeigen ist. Vielleicht war mein Beispiel mit der Bahnmarke etwas schwach, das gebe ich gerne zu. Viel deutlicher wird es bei einem Frühstart! Ist ein Konkurrent überzeugt, dass ein anderes Boot einen Frühstart hatte und es möchte gegen dieses Boot deshalb protestieren, so muss es seine Protestabsicht unverzüglich ankündigen. Auch hier steht eine Regelverletzung (ich gehe von einem Startverfahren ohne Startstrafen aus) endgültig erst dann fest, wenn das betreffende Boot sich nicht mehr in der Wettfahrt befindet. Gleichwohl trifft in diesem Fall die Ausnahme von WR 61.1(a) (3) nicht zu, denn die bezieht sich nur auf die zweite Bedingung des 1. Satzes von WR 28 "..., sail the course described...", denn WR 61.1(a) (3) gilt ja nur für "...an error by the other boat in sailing the course ,..." Für mich steht diese Systemwidrigkeit außer Zweifel, ebenso wie es mir nie in den Sinn kam, den Protestruf eines Konkurrenten möglicherweise als Hilfe von außen zu betrachten und ich werde es auch weiterhin nicht tun, es sei denn, ein Case oder eine zukünftige Regeländerung zwänge mich dazu. Aber soweit wird es (hoffentlich) nie kommen.
Viele Grüße, Willii Gohl
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Re: Bahnschenkel

Beitragvon uli_finckh » Di 25. Mär 2014, 08:55

Lieber Willii,
das Beispiel mit dem Frühstart ist nicht wirklich gut. Beim Frühstart gibt es ja die Verpflichtung der Wettfahrtleitung, die Frühstarter durch Flagge "X-Ray" und zusätzliches Schallsignal zu informieren und ein Boot hat eigentlich keine Veranlassung zu protestieren, da es primär Aufgabe der WL ist, das Boot OCS zu werten (WR A5).
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Re: Bahnschenkel

Beitragvon Willii Gohl » Di 25. Mär 2014, 09:57

Lieber Uli,
mit "eigentlich" und "Verpflichtung" und "primär" kommen wir hier nicht weiter,
denn eingentlich heißt, es gibt noch etwas Anderes, einer Verpflichtung kann man -aus welchen Gründen auch immer- nicht nachkommen und zu einem primär gehört ein sekundär.
Die WL kann sehr wohl einen Frühstarter übersehen. Das Boot hat ein Recht zu protestieren - nur das zählt. Und hier ist das Verfahren, wie es zu protestieren hat, ganz anders als beim Absegeln der Bahn, obwohl die Voraussetzungen zumindest sehr, sehr ähnlich sind und dafür sehe ich keine materielle Begründung. Daher kommt auch meine Kritik.
Natürlich führen wir hier eine theoretische Diskussion, denn praktisch sind die Dinge ja geregelt - so oder so.
Grüße, Willii
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