Was ist ein Schaden?

In diesem Forum werden Fragen rund um das Regelwerk des Segelns beantwortet. Betreut wird das Forum von Ulrich Finckh, Internationaler Schiedsrichter, Mitglied im Racing Rules Committee der ISAF und Betreiber der Seite http://www.finckh.org.

Was ist ein Schaden?

Beitragvon uli_finckh » Mo 14. Jan 2013, 11:46

Anläßlich des ÖSV-Symposiums kam die Frage auf, was ist Schaden, was ist erheblicher Schaden.
Hierzu einige Erklärungen:
Der Begriff Schaden kommt in den Wettfahrtregeln an mehreren Stellen in unterschiedlicher Form vor.
Berührung (Contact) in Regel 14, in Defintion "freihalten"
Schaden (damage) in Regel 14(b), mit Erklärung in Case 19
ernsthafter Schaden (serious damage) in Regel 44.1(b)
materieller Schaden (physikal damage) in Regel 62.1(b) mit Erklärung in Case 110

Für den Unterschied zwischen Berührung, die geringer ist als ein Schaden und der Unterschied zwischen Schaden und ernsthaftem Schaden gibt einem die Mustersegelanweisung der ISAF für Match-Race Veranstaltungen einen Anhaltspunkt.
Dort steht:
Wenn das Boot ohne Reparaturaufwand weitersegeln kann und nach der Regatta eine Reparatur zur Herstellung der Oberfläche von weniger als einer Stunde notwendig ist, dann ist dies eine Berührung ohne Schaden.
Wenn ein Boot nicht in seinem Handling in dieser Wettfahrt behindert ist, aber zur Wiederherstellung seines Aussehens und seines Wertes nach der Wettfahrt ein Reparaturaufwand bei normaler Einschätzung zwischen einer Stunde und drei Stunden notwendig ist, dann handelt es sich um einen Schaden aber noch nicht um ernsthaften Schaden.
Wenn die normalen Funktionen des Bootes beeinträchtigt sind und es Schäden an der Struktur des Bootes gibt und der Reparaturaufwand mehr als 3 Stunden beträgt, dann handelt es sich um einen ernsthaften Schaden.

Beim materiellen Schaden in der Verwendung von Regel 62.1(b) ist die wesentliche Frage, ob die Performance des Botes durch den Schaden (nicht durch den Vorfall) beeinträchtigt wurde.
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Re: Was ist ein Schaden?

Beitragvon Joker » Mi 12. Aug 2015, 12:59

Hallo.

Wir hatten kürzlich eine Verhandlung, indem es um die Auslegung der Voraussetzung 'Ernsthaftigkeit des Schadens' ("serious dammage") nach R 44.1b ging. Hinsichtlich der Schadensfälle gibt es wohl keine schematischen Lösungen, sondern jeder Einzelfall ist zu betrachten.
Die Entscheidungsgrundlagen der Mustersegelanweisung sind hilfreich. Allerdings kann ich mit den Zeitangaben für Reparaturen wenig anfangen.
Meine Frage:

Was sind die wichtigsten Kriterien für eine Ernsthaftigkeit eines Schadens?
- Beeinträchtigung der Segeleigenschaft?
- Verschlechterung des Ergebnisses oder zukünftiger Wettfahrtserien?
- generell hoher Reperaturaufwand

Case 19 hinsichtlich der Schadensdefinition stellt auf die Beeinträchtigung des Wertes oder der Funktionsfähigkeit des Bootes oder seiner Ausrüstung ab.
Wie ist der Fall zu beurteilen, dass ein Boot stark beschädigt wurde, aber die Konkurrenzfähigkeit des Bootes für die Regatta nicht vermindert wurde.

Niklas
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Re: Was ist ein Schaden?

Beitragvon uli_finckh » Mi 12. Aug 2015, 14:48

Bei materieller Beschädigung (physical damage) wie in Regel 62.1(b) benutzt kommt es nur darauf an, ob die Performance des Bootes (Boot kann nicht mehr so schnell segeln) in der entsprechenden Wettfahrt durch die Beschädigung reduziert wurde. (Es geht nicht um den Platz- oder Zeitverslust durch den Vorfall selbst).
Bei ernsthaftem Schaden (serious damage) nach Regel 44.1(b) geht es vorallem um die Höhe des Schadens. Wenn also ein Boot oberhalb der Wasserlinie ein Loch hat, das die Wettfahrtperformance nicht beeinflußt, aber erheblichen Reparaturaufwand benötigt, ist dies sicher ein ernsthafter Schaden. Sehr unterschiedlich gesehen werden Fälle, bei denen der Reparaturbedarf zwar gering, die Performance für die Regatta aber groß ist (wenn z.B. beim Laser die Öse im Deck für den Traveller gebrochen wurde). Hier gibt es viele Schiedsrichter die auch dies als erheblichen Schaden im Sinne von 44.1(b) werten, andere aber nicht, sondern nur als materielle Beschädigung im Sinne von Regel 62.1(b).
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