2. Warnemünder Woche Kutter Cup

Kuttersegelclub Warnemünde mit Warnemünder Segel-Club (KSC) | 12.07.2013 - 14.07.2013
City: Warnemünde | Sailing Area: Ostsee

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2. Warnemünder Woche Kuttercup 2013 +++ Erlebnisse auf Bahn ECHO +++

von Rainer Arlt (2013-07-18 10:18:39)

2. Warnemünder Woche Kuttercup 2013

 

Die 76. Warnemünder Woche steht auf dem Programm.

Der Kuttersegelclub Warnemünde ist zum zweiten Mal Kooperationsveranstalter neben langjährigen Partnervereinen an der Seite des Warnemünder Segel Club wie dem VSaW, BYC, JSC, HSC, SSV, SVSt, YCBG, WVG.

 

Er trägt die Verantwortung für die Durchführung der Regatten der traditionsreichen Kutter ZK10.

Der Kutter ZK10 ist eine Klasse der Marinekutter, welche teilweise vor fast über fünfzig Jahren aus Holz und später aus GfK auf Werften in Rechlin (Mecklenburg Vorpommern) und Berlin gebaut wurden.

 

Die Kutter ZK10 sind seetaugliche Marineboote, welche in der Vergangenheit als Beiboote, Reedeverkehrs-, Kurier-, Arbeits- und Rettungsboote eingesetzt wurden.

Auf diesen Bootsklassen verrichteten weltweit über Jahrhunderte Marinesoldaten, Mannschaften von Kauffahrteischiffen und Fischereiflotten aber auch Piraten ihr seemännisches Handwerk.

Sicherlich ist die Meuterei auf der „Bounty“ vielen der Leser ein Begriff.

Der abgesetzte Capitan Blight wurde mit seinen loyalen, gefolgstreuen Mannen auf einem ähnlich gebauten Beiboot von der „Bounty“ dem Meer übergeben.

Ausgerüstet lediglich mit einer Karte, Kompass, Log, einem Oktanten und seiner Taschenuhr sowie etwas Proviant, navigierte Bligh das Beiboot der „Bounty“ in 41 Segeltagen über 5.800 Kilometer zur niederländischen Faktorei Kupang auf Timor, dem einzig infrage kommenden europäischen Stützpunkt und hatte so die Chance sein Leben und dass seiner Getreuen zu retten.

 

Er hat es geschafft.

 

Dieser Bootstyp ist robust. Er ist geeignet auch steifen Winden und starkem Seegang zu trotzen. Er hatte auch seine Berechtigung als Rettungskutter in den frühen Jahren der organisierten Seenotrettung in Deutschland.

Hier lohnt ein Besuch an der Station der DGzRS in Warnemünde.

Bei deren Vorläuferinstitution hatte maßgeblich der legendäre Kapitän Stephan Jantzen, als Vormann der Warnemünder Seenotretter seine Dienste, gut erinnerlich für die „Ureinwohner“ des Fischerdorfes vor Rostock, unter Einsatz seines Lebens zur Rettung von in Seenot geratener Schiffe vor der Küste Mecklenburgs, eingebracht.

 

Wir schweifen ab. Entschuldigung!

Das ist doch eher eine Sache der Museumseinrichtungen in Warnemünde.

 

Der Einladung zum 2. WaWo Kutter Cup sind 13 Mannschaften gefolgt.

Nach der Anreise stand das Einkranen und schwierige Quartier Finden auf dem Programm der Kuttercrews. Später gab es ein verdientes Feierabend-Regattabegrüßungs-Bier.

 

Sonnabend:

Der KSC lädt die Mannschaften zum Frühstück am Alten Strom.

Ein traumhafter Ausblick auf die noch verschlafene Bummelmeile am anderen Stromufer.

Die passionierten Wetterfrösche unken über den zu erwartenden guten Segelwind.

Ein bisschen ist er ja hier schon zu spüren.

 

08:30 Uhr

Pünktlich erscheint der Wettfahrtleiter zur Steuermannsbesprechung.

Er hat das Programm in der Tasche.

Es ist vorgesehen vier Tageswettfahrten auf der Bahn ECHO zu segeln.

Wetter: Wind: NNW, 4-5 Bf, See 3-4.

Besonderheit dieser Veranstaltung: 17 A-Cat’s sind mit von der Partie.

Wie soll das denn gehen? Rennpferde mit soliden Arbeitspferden auf einer Bahn?

 

„Mmh, mit diesem Wettfahrtleiter haben wir ja schon Vieles gemacht, aber das, dass ist NEU.“

 

Ab 09:00 Uhr stehen die Sicherungsboote vom KSC, Wasserwacht und THW zum Schlepp aus dem Alten Strom bereit.

Es geht los!

Die ersten Kutter folgen dem Startschiff auf die Bahn ECHO und liegen direkt Höhe Markgrafenheide vor dem Strand.

Wir benötigen die lange Kreuzstrecke, da die A-Cat etwa 1,3 sm zu ihrer Luvmarke aufkreuzen sollen um auf eine Soll-Segelzeit von 45-60 Minuten über ihren up & down-Kurs zu kommen.

 

Die Luvmarke der Kutter wird auf gut der Hälfte der A-Cat Kreuz ausgebracht.

Sie segeln ein gleichschenkliges Dreieck, in einem Zeitfenster von 40-50 Minuten.

So der Plan.

 

11:00 First Warning

11:05 Start A-Cat

11:10 Start Kutter ZK10

Alle Boote sind auf der Bahn. Es läuft prima.

Die A-Cat’s sind gut über die Hälfte ihrer Kreuz, die Kutter kämpfen sich auf ihre Positionen.

Die Kutter erreichen ihre Luvmarke, die A-Cat’s sind in Sichtweite der gemeinsamen Leemarke.

Plötzlich eine Beobachtermeldung:

„A-Cat gekentert, Person im Wasser!“

Sofort wird ein Sicherungsboot zum gekenterten Boot geschickt, mit dem Auftrag:

+   Hilfe für die Person?! Sichern! Beobachten!

++ Rückmeldung: Mast gebrochen! OK.

Person aus dem Wasser, Boot abbergen, in Schwimmlage bringen, Ausrüstung, Material; insbesondere Segel sichern. Situation klären.

Anschließend wird der A-Cat abgeschleppt in Richtung Hohe Düne, Yachthafenresidenz.

Die Kutter sind an der Leemarke und Kreuzen wieder auf zum Luvfass.

Die A-Cat’s kommen zum zweiten Mal nach Lee. Sie haben Zieleinlauf.

Die Boote die über die rechte Kursseite kommen haben weniger Glück mit ihrer Kurswahl.

Sie kommen mit hoher Geschwindigkeit herangerauscht und werden abrupt durch das „Kopfsteinplaster“ der sich aufstellenden Brandung ausgebremst.

Zwei haben wenig Fortune an Bord.

Sie verlieren ihre Masten, kentern und gehen Baden.

Die Sicherungsboote haben Order Personen aus dem Wasser, Boote bergen und Material sichern.

Nun sind alle Sicherungs- und Hilfsboote eingebunden und haben alle Hände voll zu tun.

 

Die Kutter kommen fast zeitgleich mit den A-Cat’s über die Ziellinie.

Der Wettfahrtleiter liebt es wenn sein Plan funktioniert.

Aber an eine zügige Vorbereitung der zweiten Wettfahrt ist nicht zu Denken.

Keine Tonnenleger, keine Sicherungsboote zur Verfügung.

„POSTPONEMENT“ - Startverschiebung bis zur Klärung der Situation.

Sind alle Personen wohlauf? Können auch diese Boote eingeschleppt werden?

Der erste Schlepp meldet sich zurück.

Die nun zu schleppenden Boote und das Einbringen der Segler binden immer noch zwei Rettungs- und Sicherungsboote der Wasserwacht bzw. THW.

 

Alle Boote auf Bahn ECHO warten. Nun ist Unruhe bei den Kuttern. Etliche Mannschaften haben mit den ungewohnten Umweltbedingungen zu kämpfen und müssen Neptun ihren Tribut zollen.

Einige so sehr, dass sie die weiteren Wettfahrten des Tages abbrechen und in den sicheren Hafen Warnemünde einlaufen.

Der Wind hat hier in der Ecke ordentlich „aufgeflaut“: 26 Kn im Mittel, heftige, kurze, steile See.

Thermikeffekte bedingen eine neue Windrichtung nun aus 270°. Kurs verlegen, Kreuz nur noch maximal 1,12 sm lang.

In Gesamtbetrachtung der Situation, der Belastung des Materials und der Beanspruchung der A-Cat-Segler wird entschieden diese Klasse in den Hafen zu schicken und auf Weiteres zu warten.

Jetzt meldet ein Kutter dringend Unterstützung zur Versorgung einer verletzten Person an.

Kopfverletzung mit Vermutung auf Gehirnerschütterung, verliert das Bewusstsein.

Eile ist geboten.

Die Leitstelle, die „Regattaleitung Warnemünder Woche“ wird unverzüglich per Funk über den Status der Bahn informiert.

Bahn ECHO erhält Vorrang im Funkkreis.

Die Wasserwacht geht an den Kutter und unterstützt mit Erste Hilfe Maßnahmen.

Das SAR Boot aus Warnemünde ist auf dem Weg zur Position mit Rettungsarzt an Bord.

Doch ernster?

 

Zwischenzeitlich melden sich etliche Kutter von der Regattabahn und laufen ab, Hafen.

 

Nachdem die ärztliche Versorgung übernommen wurde, sich die Reihen der Teilnehmer gelichtet haben, gibt es grünes Licht zur Vorbereitung der nächsten Wettfahrt für die Kutter ZK10.

 

Sieben Kutter nehmen die Herausforderung an und starten mit „Papa“ ihre zweite Wettfahrt.

Alle fünf Sicherungsboote werden mit auf den Kurs geschickt.

Luxus pur. „Beinahe wie betreutes Segeln“ bemerkt ein aufmerksamer Beobachter.

Nach etwa 50 Minuten kommen alle Boote wohlauf ins Ziel und laufen ab in Richtung Warnemünde.

Das Einlaufbier ist wohlverdient, bei den Meisten Kutterkutschern wird es aber nur Selters ;-)).

 

Der gemeinsame Grillabend wird zum Klönen genutzt und das Tagesgeschehen wird ausgewertet.

Der Kuttersegelclub Warnemünde spendiert 2 Fässer Bier damit die Steaks und Grillwürste auch gut rutschen. Nun geht auch das wieder…

 

Sonntag: Die Situation ist am Morgen so wie gestern zum Ende des Wettfahrttages in See.

Die unverbindliche Prognose der Experten lautet: “Das wird wohl heute nichts!“

Also ausgiebig Frühstück mit einer Tasse Kaffee mehr dazu.

 

Nach der Steuermannsbesprechung um 08:30 Uhr ist das Tagesprogramm klar:

Abriggen, Schleppklar machen, Kranen, Abfahrtbereitschaft, Siegerehrung, Heimfahrt.

 

Fazit:

Für etliche Kuttermannschaften war es eine prägende Erfahrung, dass Wind und Wellen doch ganz schön anstrengend sein können und ihre „Opfer“ fordern.

Das Segeln auf der Ostsee hat nicht nur seine romantischen Seiten, nein es verlangt auch Aufmerksamkeit, Wissen und Können um mit den Naturgewalten umgehen zu können.

 

Insgesamt ein tolles Event.

Besten Dank an den KSC für die ausgezeichnete Betreuung der Kutterklasse.

Dank an die Mannschaften der Sicherungsboote auf der Bahn und der Regattaleitung an Land mit Hauptwettfahrtleiter Uli Finckh.

 

Das macht Lust auf mehr.

Auch nächstes Jahr haben sich die ersten Mannschaften den Termin Warnemünder Woche schon in den Terminkalender eingeschrieben.

Ein unbedingtes MUSS für alle Offshore-Kutter-Segelfreunde.

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